Trends im Eigenbau

31. August 2001, 16:51
posten

Markus Lupfer, Designer aus Deutschland mit großem Erfolg in London, war Stargast bei der Handelsmodemesse CPD in Düsseldorf. Margit Wiener traf ihn zum Gespräch

Ob er ein Perfektionist sei? Ja, da sei schon was dabei, meint Markus Lupfer verschmitzt lächelnd. Für beides - Präzision und Charme - ist der 1969 im Allgäu Geborene mittlerweile auch in Großbritannien bekannt. Und für die Fähigkeit, im besten Sinn des Wortes "tragbare" und zugleich visionäre Mode zu entwerfen.

Nach einem Designstudium in Trier machte er sich auf in die Modemetropole an der Themse. Mit der richtigen Ausbildung (BA Fashion Course an der University of Westminster), den richtigen Kontakten (unter anderem mit Alexander McQueen und Hussein Chalayan) und natürlich jeder Menge Talent und Energie entwickelte sich der blonde Deutsche in London schnell vom Geheimtipp zum Shootingstar.

Während seiner Assistenzzeit beim Designerduo Clements Ribeiro verfertigte er eine kleine Kollektion für den Londoner Trendshop Koh Samui, die begeistert aufgenommen wurde und im Handumdrehen ausverkauft war. Im November 1998 gründete er schließlich sein eigenes Label und zeigt seine Kollektionen seit dem Februar 1999 bei der London Fashion Week.

Zur CPD Düsseldorf ist Markus Lupfer keineswegs aus rein nostalgischen Gründen gekommen. Für ihn ist Deutschland auch ein neuer und interessanter Markt; derzeit sind seine Kollektionen in seiner Heimat nur in der Münchner Nobelboutique Theresa erhältlich. Den Großteil des Umsatzes macht sein Label in Japan und den USA. Lupfer entwirft auch eine ganze Serie von Accessoires wie Schuhe, Socken, Gürtel und Unterwäsche.

DER STANDARD: Sind Sie eigentlich ein britischer oder ein deutscher Designer?

Ich bin ein britischer Designer mit ein bisschen deutschem Einfluss. Ich habe in England studiert und dort 90 Prozent meines Designwissens erworben; darum denke ich designmäßig schon sehr englisch. Und weil ich Deutscher bin, ist natürlich auch deutscher Einfluss dabei.

Die britische Presse beansprucht Sie ja immer als britischen Designer.

Ja, das stimmt. Wenn ich nun mal drüben bin, dann ist es eben auch ein britisches Business. Ich bin ja schon seit sechs Jahren in London. Ich lebe und arbeite im Osten der Stadt, in der Nähe der Brick Lane. Das ist eine junge, weil preisgünstigere Gegend, es sind viele junge Leute und Designer dort.

Warum haben Sie an der University of Westminster und nicht am renommierten Saint Martins College of Art & Design studiert?

Der Tutor, der früher am Saint Martins College war, wurde Leiter am Westminster College - und ich wollte bei ihm studieren. Für mich war das super: Jemand hat mich gepusht, hat mich verstanden und in meiner individuellen Entwicklung unterstützt.

Wo sehen Sie die Unterschiede zwischen der Modedesignausbildung in Deutschland und in England?

Ich habe an der Fachhochschule Trier studiert. Im Vergleich zu London war das deutsche Studium viel technischer, wir haben sehr viel gezeichnet. Wie konstruiere ich eine Jacke? Was ist im Trend? - Das waren Fragen, mit denen wir uns viel beschäftigt haben. In London geht es eher darum, Schnitte intuitiv zu erfassen, an der Puppe zu arbeiten. Trends spielen da keine Rolle, die muss man selbst machen.

Muss ein deutscher Designer nach London oder Paris gehen, um international erfolgreich zu werden?

Nein, das glaube ich nicht. Ein gutes Gegenbeispiel ist Jil Sander. Aber allgemein wäre es, so glaube ich, wichtig, dass man auch in Deutschland offener ist für neue Sachen. Man muss neue Talente und Kreative fördern; wenn kein Support da ist, dann funktioniert das Business nicht. In England ist grundsätzlich ein Vertrauen da, hier gibt es aber viel Skepsis, und das ist das Problem, glaube ich. Warum nicht mal einen jungen Designer einkaufen, warum ihm nicht durch Presse helfen? In England ist das, was neu ist, interessant, hier ist es nicht so. Für die Engländer ist es reizvoll, etwas Neues zu finden; hier muss erst jemand durch irgendjemand anderen ,gefunden' werden, und dann erst finde ich das auch gut.

Würden Sie gerne für einen großen Konzern arbeiten?

Nein, im Moment sicher nicht. Für mich war es immer sehr wichtig, dass ich mir alles selbst aufgebaut habe, dass das Geld nicht von irgendwo außerhalb, von Sponsoren kommt, sondern dass ich mir das selbst verdienen muss. Weil dann bin ich mein eigener Boss, dann kann mir niemand dreinreden. Ich glaube, so kommt man zu einem gesünderen, stabileren Business. Ich muss mich ja auf die Kunden ausrichten, ich muss wissen, wer sie sind, was ich gut und was ich falsch mache, in welche Richtung ich weitergehe.

Wie definieren Sie Ihre Designphilosophie?

Die Kleidung soll die Persönlichkeit des Trägers unterstützen und nicht übertönen. Ich finde es schrecklich, wenn jemand total hinter der Kleidung verschwindet, wenn man nur die Kleidung sieht und die Person unwichtig wird. Eine Idealfrau für meine Mode wäre die Filmschauspielerin Chloe Sevigny; und Madonna vielleicht, die hat auch schon Schuhe von mir gekauft.

Was haben Sie für den Herbst/Winter und für das kommende Frühjahr entworfen?

Die Herbst/Winter-Kollektion 2001/02 heißt ,Reality Tech'. Ich wollte vor allem weg von den Eighties, ich wollte nicht nach hinten, sondern nach vorne schauen. Tech wird oft futuristisch gesehen, so mit silbrigen Outfits, das interessiert mich nicht. Ich wollte etwas Reales machen, das man auch tragen kann. Ich habe z. B. Computerdrucke verwendet oder transparente Plastikgürtel. HiTech ist auch clean, und am cleansten sind die Primärfarben Grün, Gelb und Rot. Deshalb waren diese Farben auch sehr wichtig für die Kollektion, außerdem Schwarz.

Zur Frühjahr/Sommerkollektion kann ich nur sagen, dass sie weicher und nicht so clean wird, ein bisschen sportlicher - und kürzer.

Welche Modedesigner gefallen Ihnen persönlich?

Comme des Garçons finde ich interessant und Alexander McQueen wegen seiner Verrücktheit, Helmut Lang wegen seines Business, oder etwa auch Martin Margiela, weil er total individuell ist.

Share if you care.