Hans Moser lebt

23. August 2001, 22:31
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Ein vermehrtes Auftreten der berühmt-berüchtigten Reblaus sorgt für gehörige Aufregung

Da ist sie also wieder. Das heißt, eigentlich war sie nie ganz weg, die Phylloxera vastarix. Vielmehr hatte sie seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, da man auf die Idee kam, die gegen die Folgeschäden der wurzelsaugenden Insekten resistenten amerikanischen Reben mit edlen europäischen Reben zu verpfropfen, einfach wenig zu beißen. "Man hat sie über die Jahre fast ein bisschen vergessen", meint der Sauvignon-Künstler Albert Neumeister aus Straden in der Südoststeiermark, was nicht zuletzt auch dazu führte, dass bei der Schädlingsbekämpfung immer speziellere, zielgerichtetere Mittel eingesetzt wurden, und nicht mehr solche Breitbandgifte wie früher, die eben auch die Blattreblaus stets unter Kontrolle hielten.

Heuer musste Albert Neumeister dann aber mit einigem Schrecken feststellen, dass einer seiner jüngeren Muskateller-Weingärten stark mit so genannten Blattgallen infiziert war, einem Fortpflanzungsstadium im äußerst komplizierten Zyklus des Reblaus-Lebens. Fernsehen und Nachrichtenmagazine waren sofort zur Stelle, von drohendem Unheil war zu lesen und zu sehen. "Um eine ernste Bedrohung handelt es sich nicht", beruhigt Dr. Ferdinand Regner von der Weinbauschule in Klosterneuburg, "um eine Zeitungsente aber leider auch nicht." Vielmehr hätte das Zusammenspiel diverser Komponenten, dabei vor allem der warme Winter, der der Reblaus ein paar Lebenszyklen mehr als in einem normalen Jahr ermöglichte, zu einem erhöhten Schädlingsdruck geführt. Abgesehen davon, dass die Insekten auch wieder jede Menge Nahrung finden, da sie sich in brachliegenden, ungepflegten Weingärten und am Laub austreibender Unterlagsreben gütlich tun können, "da werden sich die Winzer in Zukunft am Riemen reißen müssen".

"Das Viecherl wartet natürlich nur auf seine Chance, sich zu vermehren", analysiert auch Alois Gross aus Ratsch an der südsteirischen Weinstraße, weshalb auch er für rigoroses Roden aufgelassener Weingärten eintritt, "Panik ist sicher nicht notwendig, aber aufpassen muss man schon". Einstweilen, so der Winzer, finde man in der Steiermark Schwammerln jedenfalls noch leichter als Reblaus-befallene Weingärten. Eine Einschätzung, die auch Willi Bründlmayer in Langenlois teilt, "ich kenne das Problem überhaupt nur aus den Medien. Seit das in den Zeitungen war, schau' ich mir die Augen aus dem Kopf, aber nichts, nichts".

Im Gegensatz zu Kalifornien, wo es Anfang der 90er-Jahre sowohl aufgrund einer Mutation der Reblaus als auch wegen der Verwendung nicht ganz so resistenter Unterlagsreben zu flächendeckenden Verwüstungen kam, schätzt Regner, dass sich das Problem mit dem nächsten kalten Winter wieder erledigt hat: "Man ist der Reblaus nicht ausgeliefert", beruhigt der Wissenschafter, "eine hundertprozentige Resistenz gibt es aber sicherlich nie"

Von
Florian Holzer
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