Vier Fäuste für ein Griaß di

28. August 2001, 14:49
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Ein junger Osttiroler und ein Bayer mit Österreich-Vergangenheit sorgen in München für kulinarische Stimmung

Rundherum regiert der Chic, dass es nur so eine Freude ist. Und auch die Hackenstraße selbst, nur einen Steinwurf vom Marienplatz entfernt, verfügt natürlich über eine erkleckliche Zahl cooler Designerläden, In-Cafés und Parkplätze für Porsche-Cabrios, aber halt nicht ganz so extrem wie im Rest von Münchens City. Was sich über kurz oder lang aber ändern dürfte, denn das junge Restaurant von Johann Landersdorfer und Robert Innerhofer zählt momentan zu den äußerst angesagten Stätten der bayrischen Metropole. Seit Oktober war das Lokal eigentlich immer voll, wundert sich Landersdorfer selbst ein bisschen, und mit zwei Wochen Wartezeit müsse man schon rechnen. Wobei es in diesem Falle echt nichts mit plakativ zur Schau gestellter Eitelkeit zu tun hat, auf die man hier ja ganz gerne reflektiert, sondern schlichtweg mit einer jungen, erfrischend kreativen Küche ohne Allüren, einer angenehm unprätentiösen Atmosphäre und vielleicht auch ein bisschen mit den österreichischen Weinen, die hier reichliches Publikum finden.

Das "Landersdorfer & Innerhofer" war früher von der Meraner Weinstube über das kroatische Restaurant bis zur Pizzeria schon so ziemlich alles, und fünf aufeinander folgende Flops legten nahe, dass es sich da um einen schwierigen Platz handelte. Koch Landersdorfer - er stammt aus der Umgebung von München - und Robert Innerhofer aus dem Defreggental waren aber gerade dem Rat eines befreundeten Weinhändlers gefolgt, einmal ein gemeinsames Projekt zu wagen, und steckten vor einem Jahr daher einmal ein bisschen Geld in die unglückselige Immobilie. Das "Landersdorfer & Innerhofer" wurde also hell, schlicht und schön, und brachte leider auch mit sich, dass Johann Landersdorfer sein Engagement in der Sazianistube in Straden beendete, wo er vier Monate lang die südoststeirische Küche etwas von ihrer erdverbundenen Schwere enthoben und dem Edelheurigen zum Beispiel einen unvergessenen Steinbutt in "verrücktem Wasser" beschert hatte.

"Würze, Frische, Saisonalität und Spontaneität" seien es, die den Stil des weit gereisten Jungkochs auszeichnen. Saisonalität insofern, "als ich halt jeden Tag auf den Markt zum Einkaufen geh'", Spontaneität in der Hinsicht, dass es keine Speisekarte gibt und es keinesfalls sicher ist, dass sich die Gerichte auf zwei verschiedenen Tischen gleichen. "Und wenn was aus ist, ist's aus."

Das Amuse Gueule in Form zweier Carpaccio-Scheibchen mit gelber Paprikacreme, mariniertem Fenchel und einem Klecks Frischkäse mit Pignoli und allerlei Gewürzen fungiert als eine Art Vorschau, im würzig-bunten Stil folgte dann nämlich geschmorter Radicchio mit Vogerlsalat und ein paar Scheiben San Daniele, dann scharf angebratene Shrimps mit Zuckermelonen-Kügelchen, blanchierten Spinatblättern und einer erfrischenden Curry-Sauce. Die Gnocchi mit Basilikum und gebratenen Kirschtomaten waren zwar flaumig und gut, gegen das Vorige aber fast ein bisschen banal, das knusprig gebratene Zanderfilet mit süßlichem, geschmortem Weißkraut und leichter Paprikasauce brachte die Sache aber wieder auf Schiene. Und das Basilikum-Sorbet mit Sauerrahm und Olivenöl erst recht, die Rehmedaillons konnten da trotz Unterstützung durch Olivenpüree und überbackene Aubergine aromatisch kaum mehr was vermelden.

Auf der Weinkarte findet man übrigens alles, was dem Münchner Publikum derzeit Freude bereitet (vieles aus Österreich), also nach Geheimtipps muss man eher nicht suchen. Der ursprüngliche Preis von DM 80 / (EURO 40,9) pro viergängigem Menü wird mithilfe der Getränke jedenfalls leicht vervielfacht, aber wer will denn schon kleinlich sein, gerade hier.

Landersdorfer & Innerhofer, Hackenstr. 6-8, 80331 München, Tel.: 0049/89/260 186 37, Mo-Sa 11.30-14, Mo-Fr 18.30-1 Uhr

Von Florian Holzer
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