Aktuelle Silberlinge

27. August 2001, 10:15
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HEIMAT Various Artists (Hoanzl)
POPFAKES Various Artists, (Trost Records)
APHRODELICS Enormis,(BMG)

HEIMAT Various Artists (Hoanzl)

Mit dieser Kompilation liegt ein Projekt aus der Steiermark vor, das sich der Heimholung der Begriffe "Heimat" und "Volkslied" verschreibt und sich damit gewissermaßen als Gegenstück zur Lodenseligkeit gewisser musizierender Regierungsmitglieder platziert, die diese Begriffe ja auch gerne strapazieren und neben Karl Moik als die Hauptverursacher anzuführen sind, wenn einen bei Erwähnung dieser Wörter eine gewisse Übelkeit befällt: "I speib mi au!" Mit steirischer Zunge gesprochen. Angegangen wird diese Rückführung mit zeitgenössischen Mitteln: Der Elektronic-Tüftler Curd Duca (Bruck an der Mur/Miami) loopt den Begriff "Dorf", Ultrascope versucht es mit 80er-Jahre-Pop, und Klaus Tschabitzer (Judenburg/Wien) unterstreicht mit verschiedensten Band-Projekten wie A Parrot Singing, Der Schwimmer oder den Hans Albers-Romantikern Scheffenbichler, dass er vor Ideen offenbar übergeht. Ein schönes Album: narrisch, witzig und definitiv "ka Schas", wie man sagt, daheim, im Steirischen.

POPFAKES Various Artists, (Trost Records)

Fünf heimische Acts präsentieren so genannte Popfakes, der sechste, die Formation 4 Experimentelle Die Nur 2 Sind, fällt wegen Themenverfehlung durch. Was aber auch egal ist, weil uns Working Class Heroes, Gelée Royal, Egotrip, Lampe und Joma- sounds mit bastardisierten Pop-Entwürfen erfreuen, die mittels Störgeräuschen, Blödeleien (Sitar!) und exzentrischen Texten allesamt sehr okay sind. Stellenweise treten einzelne Acts zwar schon ein wenig am Stand, aber insgesamt bleiben Gähnattacken aus. Dafür könnte man glatt den Preis für den blödesten, also besten Songtitel des Jahres an die Formation Gelée Royal vergeben: Lookilooki: Haare. Lustig.

APHRODELICS Enormis,(BMG)

Vor drei Jahren platzten die Wiener HipHopper Aphrodelics mit Rollin' On Chrome in die deutschen Charts. Einem Track, der auf einem Sample von Being Boiled von The Human League basierte und ziemlich fett ins Land protzte, wie man so schön sagt. Das Folgealbum Enormis entfernt sich vom Old School-Model des Vorgängers, was definitiv auf Kosten des emotionellen Flows geht: Das Ergebnis gestaltet sich als technoides Muskelspiel des Produzenten Rodney Hunter: starr, sperrig, und wie zum Hohn heißt der letzte Track Soulmusic.
(Karl Fluch)

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