Kleinode amerikanischer Lyrik

23. August 2001, 11:32
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Abschluss der Reihe "The Hampson Project" der Salzburger Festspiele

Salzburg - Mezzosopranistin Susan Graham begleitete Mittwoch Abend im Mozarteum Thomas Hampson auf der vierten und letzten Erkundungstour durch amerikanische Lyrik und deren Vertonungen, die der Bariton bei den Salzburger Festspielen 2001 unternommen hat. Mit dem Riecher eines Goldgräbers hat Hampson literarisch-musikalische Kleinode aus großer Bandbreite aufgestöbert und in seinem "Hampson Project" zum Konzertsaal-Leben wiedererweckt.

Lieder-Reise

Themen und Stile der künstlerischen Reflexionen Amerikas über sich selbst sowie der Blicke des gar nicht so fern klingenden Europas spannten einen weiten Bogen: Zuweilen wurde die Stimmung düster-melancholisch, zuweilen auch gedankenverloren-sinnierend, wie etwa in den "Clouds", einem Lied von Ned Rorem auf ein Gedicht von Paul Goodman; dann humorvolle Aufhellungen, leicht und pointiert, wie etwa in "Maybe", einem Stück des in die USA immigrierten gebürtigen Russen Sergius Kagen auf einen Text von Carl Sandburg; schließlich Sozialkritik und Rassenproblematik, und nicht wenig, denn neben der literarischen Zentralfigur von Hampsons Lieder-Reise, Walt Whitman, stand gestern Langston Hughes als lyrischer Botschafter des "schwarzen Amerika" im thematischen Mittelpunkt, zum Teil in deutscher Übersetzung.

Der weiße Christus musste sich die Frage gefallen lassen, wozu denn Gebete gut sind, wenn der schwarze Liebste (im "Lied für ein dunkles Mädchen", vertont von Hermann Reutter) einfach so aufgeknüpft wird; da wurde erzählt von dem weißen Bub in Baltimore, der dem schwarzen Bub "Nigger" ins Gesicht schrie ("Erlebnis", vertont von Kurt Pahlen); das "Elend" setzten Alexander von Zemlinsky und auch Wilhelm Grosz in Musik um, die den Blues durchscheinen lässt, bei ersterem eher in der Rhythmik, bei zweiterem eher in der Harmonik.

"Hoffnung"

Hampsons Dank am Ende von Konzert und Zyklus galt seinen Mit-Reisenden auf, hinter und vor der Bühne. Susan Graham hatte ihn gestern mit im besten Sinne wie gewohnt sicherer, unaufdringlicher und inniger Stimme begleitet. Er selbst gab sich stimmlich weit zurückhaltender als noch am vorhergehenden "Project"-Abend und dosierte sein Potenzial besser, was der Färbung seines Baritons sehr zuträglich war. Malcolm Martineau am Klavier hielt sich dezent im Hintergrund. Hampsons Wunsch, beispielhaft bezogen auf die Rassenprobleme in Amerika: Mit seinem Lieder-Projekt die "Hoffnung" genährt zu haben, "dass das Morgen besser ist als das Heute." (APA)

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