Streit um militärisches Potenzial der albanischen Rebellen

23. August 2001, 11:32
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Zahl der abzugebenen Waffen noch unklar - Nato-Sprecher Brodeur: Unterstützung des politischen Prozesses vorrangig

Skopje - Nach dem Nato-Beschluss über einen Einsatz in Mazedonien sind erste Schwierigkeiten bei der Entwaffnung der albanischen Rebellen aufgetaucht. Die Kämpfer der "Nationalen Befreiungsarmee" (UCK) verfügen nach Angaben des mazedonischen Innenministeriums über 85.000 Waffen. Die Rebellen wollen jedoch nur 2.000 Waffen abgeben. Die Vermittler wollen erreichen, dass sich beide Seiten noch vor dem Wochenende auf die Zahl der abzugebenen Waffen einigen.

Der Befehlshaber von "Essential Harvest", der dänische Generalmajor Gunnar Lange, erklärte, die Entwaffnung an sich sei von größerer Bedeutung als die Zahl der abgegebenen Waffen. "Die Rebellen können sich wieder bewaffnen und wieder kämpfen", erklärte Lange. Viel wichtiger sei es, dass das im politischen Prozess entstandene Vertrauen in den UCK-Kämpfern nicht den Wunsch wecke, erneut zu den Waffen zu greifen.

Nato-Sprecher Brodeur gegen militärische Lösung des Konflikts

Ähnlich argumentierte der Nato-Sprecher Yves Brodeur (Bild) in einem in der "Neuen Zürcher Zeitung" veröffentlichten Interview. So sei es nicht so wichtig, um wie viele Waffen es sich handle. "Bei Bemühungen zur Beilegung eines Konfliktes ist es unmöglich, alle Waffen aus dem Verkehr zu ziehen". Der NATO-Einsatz habe vielmehr das Ziel, "den politischen Prozess im Land zu unterstützen und zu stärken". Er solle gleichzeitig "eine Vertrauensmaßnahme für diejenigen Leute in Mazedonien darstellen, die politisch aktiv sind. Wenn wir dieses Resultat erreichen, wären wir sehr glücklich", sagte der Nato-Sprecher.

"Militärische Lösung nicht möglich"

"Eine militärische Lösung des Konflikts ist nicht möglich, so Brodeur weiters. Ein Krieg wäre für die Regierung von Präsident Boris Trajkovski sehr kostspielig und von Massakern begleitet. Deshalb haben wir gesagt, dass alles getan werden muss, um eine solche Situation zu vermeiden. Eine Eskalation des Konflikts liegt nicht im Interesse der mazedonischen Regierung". Die NATO habe die Konfliktparteien nie als ebenbürtig behandelt: "Wir haben zu keinem Zeitpunkt mit der UCK verhandelt, sondern wir sind ausschließlich auf Anfragen der Regierung in Skopje aktiv geworden." Die NATO habe lediglich die Information zwischen der Regierung in Skopje und der UCK erleichtert, weil die Regierung nicht direkt mit den Aufständischen sprechen wollte. (APA/AP)

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