Deutschland: Änderung der Ausschlussregeln für Neuen Markt verlangt

23. August 2001, 10:05
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Börsenrechtler: Verbleib von Marktkapitalisierung abhängig machen

Berlin - Die von der Deutschen Börse geplanten Ausschlussregeln für den Neuen Markt müssen nach Ansicht des Berliner Börsenrechtlers Professor Eberhard Schwark noch verändert werden. "Ich sehe da noch Klärungsbedarf", sagte Schwark der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Zudem hält er es für fraglich, dass Unternehmen nach einem Ausschluss vom Neuen Markt in den Geregelten Markt aufgenommen werden.

Unter anderem sieht es Schwark bei der geplanten Änderung des Regelwerks für den Neuen Markt als problematisch an, ein Verbleiben vom Tagesdurchschnittskurs der Aktie abhängig zu machen. "Die entscheidende Frage ist, ob bei diesen Werten ein ordnungsgemäßer Börsenhandel nicht mehr möglich ist." Nur wenn dieser nicht mehr gewährleistet erscheine, habe die Deutsche Börse AG seiner Ansicht nach das Recht, die gelisteten Unternehmen aus dem Neuen Markt zu werfen. "Sie hat sich da ein bisschen zu weit vorgewagt."

Interessen beider Seiten berücksichtigen

Anders als beim Amtlichen Handel oder Geregelten Markt, die über eine Satzung geregelt seien, sei beim Neuen Markt als Segment des Freiverkehrs das Regelwerk der Börse als Allgemeine Geschäftsbedingung anzusehen, argumentiert Schwark, der an der Berliner Humboldt-Universität lehrt. "Das würde bedeuten, dass die Interessen beider Seiten berücksichtigt werden müssen und nicht einer übermäßig bevorzugt wird."

Eine Ausschlussregelung an sich ist nach Ansicht Schwarks durchaus gerechtfertigt, wenn die Änderung angemessen ist. "Man kann der Börse nicht zumuten, ein Segment zu unterhalten, an dem nichts passiert. Das ist auch nicht im Interesse der Anleger." Es sei deshalb zum Beispiel durchaus sinnvoll, den Verbleib eines Wertes am Neuen Markt von dessen Marktkapitalisierung abhängig zu machen. Wenn nicht mehr genügend Masse zum Handeln da sei, sei der Wert großen Schwankungen ausgesetzt und es könnten sich Zufallswerte ergeben.

Der Hoffnung vieler Wackelkandidaten, nach dem Rausschmiss aus dem Neuen Markt im Geregelten Markt unterzukommen, erteilte Schwark eine Absage. "Da habe ich erhebliche Bedenken." Die Unternehmen müssten die Zulassung zum Geregelten Markt wieder neu beantragen, der Zulassungsausschuss der Deutschen Börse darüber entscheiden. Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass es am Geregelten Markt dann zu weniger strengen Kriterien komme als am Neuen Markt. Somit bliebe den Aktien nur noch die Notierung im Freiverkehr, dem größten und am wenigsten kontrollierten Börsensegment in Deutschland. (APA/dpa)

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