Aufruhr bei Mannesmann: Aktionäre werfen Ex-Managern Plünderung vor

23. August 2001, 09:47
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Vodafone-Chef Gent: Abfindungen sind "üblich und rechtens"

Düsseldorf - Aktionäre der Mannesmann AG haben der früheren Unternehmensführung vorgeworfen, den Konzern durch millionenschwere Abfindungen im Zusammenhang mit der Übernahme durch Vodafone ausgeplündert zu haben. Auf der Hauptversammlung von Mannesmann bezeichneten Vertreter von freien Mannesmann-Aktionären am Mittwoch die Empfänger der Abfindungen als "Gangster", "Heuchler" und "Pharisäer". Dagegen verteidigte Vodafone-Chef Chris Gent die Abfindungszahlungen.

IG-Metall-Chef Klaus Zwickel, gegen den die Staatsanwaltschaft zuletzt Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue im Zusammenhang mit seinem Amt als Mannesmann-Aufsichtsrat aufgenommen hatte, ergriff das Wort dazu nicht. Auf dem Treffen sollte unter anderem die Umbenennung des Düsseldorfer Traditionsunternehmens in Vodafone AG beschlossen werden.

Ermittlungen gegen zeh Personen

Freie Aktionäre halten nach der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunkanbieter Vodafone im vergangenen Jahr noch rund 0,5 Prozent des Mannesmann-Kapitals. Mitglieder der Mannesmann-Unternehmensführung hatten den Angaben der Aktionärsvertreter zufolge nach der Übernahme Zuwendungen von insgesamt rund 150 Millionen DM (76,7 Mill. Euro/1,055 Mrd. S) erhalten. Die Staatsanwaltschaft sieht einen Anfangsverdacht, dass die finanziellen Zusagen an Führungskräfte zur Aufgabe ihres Widerstandes gegen die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone im Frühjahr 2001 geführt hätten.

Die Behörde ermittelt nach eigenen Angaben gegen insgesamt zehn Personen, darunter neben Zwickel und Gent auch der frühere Mannesmann-Chef Klaus Esser sowie der ehemalige Aufsichtsrat und designierte Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Josef Ackermann.

Gent verteidigt Abfindungen

Vodafone wandte sich als Besitzer der restlichen Kapitals gegen alle Kritik an der Unternehmensführung. Vodafone-Chef Gent, der auch dem Mannesmann-Aufsichtsrat vorsteht, verteidigte in einer Erklärung die umstrittenen Abfindungen und verwies darauf, dass die Mannesmann-Gremien die Zahlungen an die Führungskräfte genehmigt hätten. "Weder ich noch andere Vodafone-Manager oder Mitarbeiter haben zu irgendeiner Zeit Führungskräften oder Mitarbeitern von Mannesmann finanzielle Angebote oder Anreize gemacht", sagte er. Die Abfindungen entsprächen deutschem Recht und den Statuten von Mannesmann.

Entgegen der ursprünglichen Planungen der Firmenleitung soll erst die nächste Hauptversammlung über die Entlastung jener zehn Manager und ehemaligen Führungsmitglieder entscheiden, gegen die staatsanwaltschaftliche Ermittlungen laufen. Beantragt wurde die Verschiebung der Abstimmung über die Entlastung der amtierenden Aufsichtsräte Zwickel und Gent sowie der ehemaligen Mitglieder Ackermann, Joachim Funk und des Arbeitnehmervertreters Jürgen Ladberg. Ebenso zurückgestellt werden soll die Abstimmung über die Entlastung der ehemaligen Vorstände Esser, Albert Weismüller, Kurt Kinzius, Lars Berg und Peter Gerard.

Im Gegensatz zu Gent äußerte sich IG-Metall-Chef Zwickel auf der Hauptversammlung nicht zu den Vorgängen. Über seine Gewerkschaft ließ er die Vorwürfe aber erneut zurückweisen. Die IG Metall bekräftigte am Mittwoch ihre Darstellung, wonach Zwickel der Prämie für Esser in Höhe von 60 Millionen DM nicht zugestimmt habe. Zwickel habe sich als Aufsichtsrat von Mannesmann beim Entscheid über die Abfindung "enthalten und damit nicht zugestimmt", sagte Sprecher Claus Eilrich.

Abfindungen sind "üblich und rechtens"

Wegen mangelnder deutscher Sprachkenntnisse übernahm nicht Gent, sondern Aufsichtsratsmitglied Wilhelm Haarmann den Vorsitz über die Hauptversammlung. Haarmann sagte, die Abfindungen seien "üblich und rechtens" gewesen. Er verwies auf die Leistungen der Manager, die zur Wertsteigerung des Konzerns geführt hätten. Eine Sonderprüfung, wie von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) beantragt, sei wegen der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht nötig. Beim Verkauf von Firmenteilen seien außerdem beachtliche Buchgewinne erzielt worden. Aktionäre warfen Vodafone dagegen vor, Werte vernichtet zu haben, indem alle Sparten außer der Telekommunikation abgegeben worden seien.

Im Rahmen einer Vereinheitlichung des weltweiten Auftritts des Vodafone-Konzerns soll die Mannesmann AG künftig unter Vodafone AG firmieren und mittels Gewinnabführungsvertrag sowie Weisungsgebundenheit der Vodafone Deutschland GmbH unterstellt werden. Durch die Umfirmierung wird der Name des Düsseldorfer Unternehmens nach rund 115 Jahren voraussichtlich von der öffentlichen Bildfläche verschwinden. Den wenigen verbliebenen Mannesmann-Aktionären wird angeboten, entweder ihre Aktien bei einer jährlichen Garantiedividende von 11,77 Euro zu behalten oder sie Vodafone zu 206,53 Euro pro Stück anzudienen. (APA/Reuters)

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