Ungeprüfter Finanzbericht der Grazer ÖH sorgt für Turbulenzen

23. August 2001, 18:25
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Studentenführung spricht von Millionenmissbrauch - Wirtschaftsprüfer kam Finanzgebarung 2000/01 noch nicht zu Gesicht

Graz - Ein vom zuständigen Wirtschaftsprüfer noch nicht kontrollierter Rechnungsabschluss für das Jahr 2000/01, der von der neuen Führungsriege der ÖH an der Uni Graz in Eigenregie veröffentlicht wurde, führt zu Turbulenzen. Während die Ampelkoalition aus VSStÖ, GRAS und Fachschaftslisten zusammengesetzte Studentenführung einen 1,2-Millionen-Schilling-Missbrauch durch ihre schwarz-blauen Vorgänger (im Amt von 1999 bis 2001) beklagte, stellte sich heraus, dass es sich um vorläufige Zahlen handelte, die aus einer internen Revision stammen. Die Reaktionen waren dennoch heftig.

Das Geld sei "für ein teures Leben ausgegeben worden", so die stellvertretende ÖH-Vorsitzende Vanessa Schreiner (VSStÖ). Zu unterscheiden seien allerdings "belegbare Fälle und Grauzonen". Einen Teil des Schadens - rund 700.000 Schilling - hätten die Altfunktionäre mittlerweile gut gemacht, weswegen die neue ÖH-Führung den Fall nach Möglichkeit außergerichtlich bereinigen wolle.

Mit einer vorläufigen internen Revision wurde der Finanzreferent der ÖH-Graz von 1997-99, Franz Öller (Fachschaftsliste), beauftragt. Öller erklärte gegenüber der APA, dass sich nach den Untersuchungen "höchstwahrscheinlich nur im Rechnungsbericht 2000/01 Unregelmäßigkeiten finden". Der "Sonderbeauftragte" meint nämlich, dass es "höchstens ein Jahr gut geht, die Dinge zu verschleiern, wenn man der Opposition keinen Einblick in die Bücher gibt". Ein Rechnungsjahr beginnt am 1. 7. und endet jeweils am 30. 6. Das Prozedere der Rechnungsprüfung erläuterte Öller so, dass erst ein Abschluss erstellt wird und dieser Bericht dann an einen Wirtschaftsprüfer geht. Das sei im gegenständlichen Fall noch nicht geschehen, so dass eine professionelle Prüfung noch nicht stattgefunden hat.

ÖH-"untypische" Posten

Dem Wirtschaftsprüfer wären vermutlich einige ÖH-"untypische" Posten wie überhöhte Übernachtungskosten, bezahlte Organstrafmandate, Kleiderrechnungen oder Belege für "Schnaps-und Weinverkostungsseminare" ohnehin aufgefallen, so die Meinung des Sonderprüfers.

Der Vorsitzende der früheren Studentenvertreter war vorläufig nicht erreichbar, um Stellung zu beziehen. Die Reaktionen waren am Donnerstag vor allem von Seiten der verschiedenen ÖH-Gruppierungen heftig: Hingewiesen wurde vor allem darauf, dass ein Großteil der Funktionäre ehrenamtlich und engagiert arbeite. Außerdem wurde darauf verwiesen, dass die Angelegenheit in der gegenwärtigen Debatte um die studentische Mitbestimmung eine katastrophale Optik erzeuge. (APA/red)

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