Der Hudson wird entgiftet

22. August 2001, 22:22
posten

Es ist das größte Baggerprojekt aller Zeiten

New York - Es ist das größte Baggerprojekt aller Zeiten: Auf einer Länge von 40 Kilometern soll ab 2002 die Verseuchung des Hudson-Flusses mit PCB (Polychlorbiphenylen) saniert werden. Fünf Jahre brauchen die Spezialisten, um die zwei Millionen Kubikmeter Giftschlamm zu entfernen - Kostenpunkt: 500 Millionen Dollar. Ende Juli hat die amerikanische Umweltbehörde EPA der 25 Jahre alten Anrainerforderung entsprochen. Derzeit liegt der EPA-Entscheid zur Überprüfung beim Bundesstaat New York, dessen Okay für Anfang September erwartet wird.

Sein Elend verdankt der Fluss einer Fabrik von General Electric (GE), die 35 Jahre lang geschätzte 500.000 Kilo Polychlorbiphenyle ins Wasser kippte. PCB waren wegen ihrer hohen thermischen und chemischen Stabilität als Isolier-, Hydraulik- und Kühlflüssigkeit begehrt. Ihre Stabilität bedeutet aber auch, dass sie sich dauerhaft im Flussbett ablagerten und in der Nahrungskette anreicherten. Als klar war, dass sie über den Verzehr von Fisch auch Krebs auslösen können, wurden sie in den USA 1977 verboten.

25 Jahre Kampf

Seit damals kämpfen Umweltschützer für eine gründliche Sanierung des Flusses und General Electric dagegen, soll die Firma doch ein Gutteil der Kosten übernehmen. GE behauptete zunächst, die PCB stammten aus Lecks unterhalb eines Kraftwerks an den Hudson-Fällen, dann, der Schlick schließe das Gift ohnehin immer fester ein und mache es so unschädlich.

Aber auch die EPA stand lange auf der Sanierungsbremse und verbot 1984 jeden Eingriff in die Sedimente, weil die Baggertechnik nicht ausgereift genug sei, um eine erneute Verteilung der PCB im Wasser zu verhindern. Genau das ist aber auch heute nicht ganz auszuschließen.

Fest steht nur, dass der Fluss sich niemals aus eigener Kraft von seiner Giftlast befreien kann. Deshalb entschied die EPA nun zugunsten des bereits von der Clinton-Regierung geplanten Eingriffs. Einzige Abänderung: Die Baggerarbeiten sollen phasenweise durchgeführt und dazwischen regelmäßig evaluiert werden, damit nicht zu viele PCB aufwirbeln und noch mehr Schaden anrichten. (hk, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23. 8. 2001)

Share if you care.