Los Angeles und die Angst vor dem "Großen Beben"

23. August 2001, 12:09
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Teile der Stadt senken sich durch Abpumpen von Grundwasser erheblich - seismologische Werte werden verfälscht

Los Angeles - Los Angeles "schwimmt": Eine Veränderung des Grundwasserpegels lässt die Millionenstadt um mehr als zehn Zentimeter ansteigen und sinken. Wie das Wissenschaftsmagazin "Nature" am Donnerstag berichtete, haben Wissenschafter die Bewegungen an der Oberfläche und aus dem Weltall beobachtet. Verantwortlich für die Veränderungen ist der Mensch: Im Sommer wird eine große Menge Trinkwasser aus dem Boden entnommen, während im Winter und Frühjahr Regenwasser versickert oder in die Tiefe zurückgepumpt wird.

"Das Becken Los Angeles ist wie ein atmender Mensch", sagte der Geophysiker Gerald Bawden. Ähnliche Bewegungen der Erdoberfläche seien auch schon in Las Vegas und San Jose registriert worden. Diese seien aber deutlich geringer gewesen. Bawden und seine Kollegen griffen auf Radarbilder aus dem All und etwa 250 Messpunkte auf der Erde zurück und beobachteten so die Bewegung des rund 820 Quadratkilometer großen Areals.

Ein großer Teil der Bewegungsenergie der Erdplatten wird im Untergrund in blind endenden Verwerfungen gespeichert und kann sich plötzlich in Form besonders schwerer Erdbeben entladen. Ausgerechnet in den Bereichen der Stadt, in denen sich die größte Spannung aufbaut, wie im Santa-Ana-Becken, ist die Verfälschung der Messwerte durch Grundwasserabsenkungen am größten. Los Angeles wird von mehreren Verwerfungslinien des so genannten San-Andreas-Systems durchzogen. Durch Verschiebungen entlang dieser Bruchlinien in der Erdkruste fürchten Geologen jederzeit ein größeres Beben.

Das Ansteigen und Sinken der Stadt erschwert die Erdbebenvorhersage, da die Seismologen die Gründe für einen Anstieg der Erdoberfläche nicht sofort ermitteln können. Bawden erklärte, er arbeite an einer Methode, um den Grundwassereffekt von den seismischen Daten zu trennen. (APA/AP)

Vgl. "Nature" (Bd. 412, S. 812)
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