"Freundliche Einladung zur Kooperation"

22. August 2001, 21:39
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Seibersdorfer Holding mit Modellcharakter

Wien - "Wir wollen und können das Zugpferd in der außeruniversitären Forschung in Österreich spielen, dies aber ohne jedweden Dominanzanspruch", sagt Günter Koch, Geschäftsführer der gerade neu formierten Forschungsholding "Austrian Research Centers" (ARC), die als Dach über der Forschungsgruppe Seibersdorf fungiert. "Unsere neue Holding ist ein freundliches Konstrukt. Es ist eine freundliche Einladung zu verstärkter Kooperation."

Die Eigentümer des Forschungszentrums Seibersdorf haben in der Generalversammlung Ende Juni endgültig grünes Licht gegeben für die Neustrukturierung des Forschungszentrums mit einer Holding, an der derzeit acht Töchter hängen. Koch sieht darin vor allem ein Instrument der Flexibilisierung. Damit könne man nun auf operativer Ebene Kooperationen - auch international - eingehen, ohne das Gesamtunternehmen zu binden. Die Holding sollte dabei als Orientierungsinstrument fungieren und den strategischen Rahmen vorgeben, etwa auch in der Frage, welche Technologien intern entwickelt und welche zugekauft werden sollen. Der strategische Rahmen müsse aber freilich von den operativen Einheiten ausgefüllt werden. Die Holding habe da bloß eine Leitungsaufgabe, sie müsse die Prozesse organisieren, die Forschungsprogramme hervorbringt.

Koch zeigt sich im Gespräch mit dem STANDARD überzeugt, dass diese Holdinglösung auch Modellcharakter für den gesamten Sektor der außeruniversitären Forschung haben werde. Dabei sind auch die Bundesländer-Gesellschaften eingeladen. Es könne nicht lange so weiter gehen, dass jedes Land seine eigene, im internationalen Maßstab aber zu kleine Forschungsgruppe aufbaue. Es gebe durchaus Argumente für kleinere Einheiten. Er habe aber kein Verständnis, "wenn dezentrale Gebietskörperschaften mit subkritischem Mitteleinsatz versuchen, international wettbewerbsfähige Forschung zu organisieren."

In Österreich gebe es eine ganze Halde guter Ideen, die es auf den Markt zu bringen gelte. Gerade wenn es um den Schritt gehe, von der Grundlagenforschung zu marktfähigen Produkten zu kommen, werde der Finanzbedarf aber immer größer. Die Länder hätten da nicht die Puste, das allein durchzuhalten. Das könne nur in verstärkter Kooperation gelingen, so Koch. (jost, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23. 8. 2001)

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