Ordnung in die Forscherszene

22. August 2001, 21:31
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Modelle zeigen, wie sich die Effizienz erhöhen lassen könnte

Wien - In seinem Strategieentwurf für die Forschung in Österreich hat der Rat für Forschung und Technologieentwicklung dem außeruniversitären Sektor höchste Priorität eingeräumt. Der Forschungsaufwand in diesem Sektor, unter dem alle Forschungsaktivitäten außerhalb der Universitäten und der Industrie subsumiert werden, soll von derzeit sieben bis 2005 auf 20 Milliarden Schilling fast verdreifacht werden. Demgegenüber sollte die Dotierung der universitären Forschung real eingefroren und die Ausgaben des Unternehmenssektors, grob gerechnet, verdoppelt werden (vgl. Grafik).

Dazu braucht aber die außeruniversitäre Forschung neue, effiziente Strukturen. Die Diskussion darüber ist in vollem Gang. Der Forschungsrat hat dazu ein Modell mit drei Säulen im Kopf, wobei die Schnittflächen dazwischen fließend zu definieren sind.

Clusterbildung

"Die erste Säule", erklärt der Forschungsratsvorsitzende Knut Consemüller im Gespräch mit dem STANDARD, "könnte alle Kompetenzzentren und industriellen Cluster umfassen." Darunter könnten die K-plus-Kompetenzzentren des Verkehrs-, Innovations-und Technologieministeriums (BMVIT) ebenso fallen wie die parallelen Programme des Wirtschaftsministeriums. "Es geht in dieser Säule um eine forcierte Clusterbildung", so Consemüller. Dabei sei man in Österreich durchaus gut unterwegs, notwendig sei aber nun so etwas wie eine Leitstruktur. Die Technologie-Impulse-Gesellschaft (TIG) sei dabei sicher ein zentraler Kristallisationspunkt. Diese Tochter des BMVIT entwickelt und managt Technologie-Förderprogramme des Bundes.

In der zweite Säule will der Forschungsrat alle öffentlichen, halböffentlichen und gemeinnützigen Forschungsinstitute unter einer gemeinsamen "Holdingstruktur" versammeln. Darunter sollten dann etwa die Austrian Research Centers Seibersdorf (ARCS) ebenso arbeiten wie die Akademie der Wissenschaften oder die verschiedenen Landesgesellschaften wie etwa das steirische Joanneum.

"Holdingstruktur"

Die Seibersdorfer, die sich gerade selbst eine eigene Holdingorganisation verpasst haben, sehen sich als Flaggschiff (siehe nebenstehendes Interview mit Günter Koch). "Das sehen wir auch so", erklärt Consemüller. Die neu geschaffene Seibersdorf-Holding (ARC) könne dann auch der Nukleus für die spätere Gesamt-"Holdingstruktur" in dieser zweiten Säule sein.

Consemüller ortet dabei auch den Willen der Bundesländer, hier mit ihren eigenen Gesellschaften mitzumachen. Von steirischer Seite etwa sei ihm signalisiert worden, dass man die zu 100 Prozent im Landeseigentum stehende Forschungsgesellschaft Joanneum auch bei einem Minderheits-Beteiligungsverhältnis in die Holding einbringen könnte, solange es zustimmungspflichtige Geschäfte gebe, in denen das Land nicht überstimmt werden dürfe, sagte Consemüller.

Stiftung mit GBI-Mantel

Für die dritte Säule schließlich denkt man im Rat an eine Stiftung als Leitstruktur. In dieser Säule könnten die kooperativen Forschungsinstitute der Wirtschaft vertreten sein, ebenso wie bestehende und künftige, bei Fachhochschulen anzusiedelnde Technologietransfer-Einrichtungen oder die Christian-Doppler-Labors. Eine besondere Rolle in dieser Säule komme den Fachhochschulen zu, deren Dachkonferenz schon einen sehr weit reichenden Strategieplan über künftige Standorte und Studienrichtungen ausgearbeitet habe.

Aufgabe der Stiftung wäre es dann, diese vielfältigen Aktivitäten in regionalen Entwicklungszentren zu verorten. "Das beste Beispiel dafür ist das Software-Zentrum in Hagenberg in Oberösterreich", schildert Consemüller. "Hier haben wir berufliche Ausbildung plus Weiterbildung plus spezifische Fachhochschulen plus Vernetzung mit Uni-Instituten plus ein K-plus-Kompetenzzentrum, alles unter einem Dach." Niederösterreich plane gerade ein ähnliches Zentrum zum Thema Logistik.

Im Forschungsrat denkt man dabei an die gerade in der Verwertungsphase stehende ehemalige Pleitenholding GBI, die als Mantel die Stiftungsaufgaben übernehmen und zudem bei erfolgreicher Verwertung ihrer Beteiligungen geschätzte 500 Mio. S einbringen könnte.

Consemüller setzt den Finanzbedarf für eine "Initialzündung" der Stiftung mit zwei bis drei Milliarden an, die revolvierend einzusetzen wären: "Damit sollte sich ein Hebel erzielen lassen, der die angepeilte Steigerung der Aktivitäten in dieser Säule von 2,4 auf neun Milliarden bis 2005 realistisch macht." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23. 8. 2001)

Bei den diesjährigen Alpbacher Technologiegesprächen wird auch über eine künftig effizientere Struktur der heimischen Forschungslandschaft diskutiert werden. Der STANDARD sprach mit zentralen Akteuren über deren Modellvorstellungen.

Von Johannes Steiner
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