Fallstudien großer finanzieller Erfolge

22. August 2001, 21:18
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Der Titel verheißt, was wir wohl alle gerne wären - und zeigt in 19 Fallbeispielen Menschen, die es geschafft haben. Berühmt sind sie alle, ob sie nun Voltaire oder Cäsar, Richard Wagner oder Maria Callas heißen. Für Hans Ziegler sind sie aber vor allem unter dem Aspekt interessant, dass die von ihm dargestellten Personen allesamt ein beachtliches Einkommen erzielt haben.

Das Verdienst des Autors ist, eine halbwegs treffende Abschätzung zu geben, wie bedeutend das jeweilige Einkommen oder Vermögen war.

Bei Wallenstein zum Beispiel: Mindestens 3,007.177 Gulden hat der Feldherr im Laufe von fünf Jahren seinem Kaiser geliehen. Ziegler vergleicht die Summe mit dem damaligen österreichischen Steueraufkommen (das in einem Jahr etwa gleich hoch war) und versucht, Kaufkraftparitäten umzurechnen, indem er den Gulden mit etwa 15 DM/7,67 EURO ansetzt.

Auffallend ist auch, wie Johann Wolfgang von Goethe durch Schaden klug geworden ist: Mit seinen ersten, noch im Eigenverlag herausgegebenen Werken hat der Dichter Verluste gemacht - bei späteren Ausgaben sicherte er sich nicht nur üppige Vorschüsse, sondern ein über den Tod hinaus wirkendes Urheberrecht. Ein wichtiger Schritt, den noch ein Jahrhundert später Hedwig Courths-Mahler bei ihren ersten Trivialromanen versäumt und "gnadenlos ausgenommen" wird.

Die Legenden von armen Künstlern und Denkern werden eindrucksvoll widerlegt - etwa am Beispiel von Karl Marx, der zeitweise ein Jahreseinkommen von (umgerechnet) 100.000 Mark erwirtschaftete und flott durchbrachte. Ähnlich wäre der Fall Mozart, den sich Ziegler offenbar für einen nächsten Band aufspart. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23. 8. 2001)

Hans Ziegler: Reich und berühmt Ueberreuter Wirtschaft, Frankfurt 2001 255 Seiten, 274 öS/ 19,43 EURO

Von Conrad Seidl
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