Mehr Frauen suchen Schutz

22. August 2001, 20:12
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Steiermark: Gewalt gegen Frauen steigt, das Schweigen nicht

Graz - Einen deutlichen Anstieg Schutz suchender Frauen registrieren die Mitarbeiterinnen des Grazer Frauenhauses. Im Jahr 2000 wurden dort 72 Prozent mehr Frauen und Kinder aufgenommen als 1999. Auch die telefonische Beratung und Nachbetreuung sind gefragter denn je.

"Die Frauen schämen sich nicht mehr wie früher, wenn sie misshandelt werden", weiß die Sozialberaterin des Frauenhauses Martha Stadler. Doch auch die Gewaltbereitschaft der Männer sei gestiegen. Viele Frauen duldeten jahrelang Misshandlungen, und erst die Bedrohung ihrer Kinder sei für viele der Auslöser, den Mann zu verlassen.

Ein einziges Frauenhaus für die ganze Steiermark

Das Grazer Frauenhaus wurde vor 20 Jahren gegründet und ist bis heute das einzige der Steiermark. Im November 1999 wurde das neue Gebäude, das in 25 Zimmern bis zu 45 Personen Platz bietet, bezogen. Es ist mit einer modernen Sicherheitsanlage ausgestattet, die den Frauen einerseits das Gefühl von Geborgenheit geben, andererseits auch reale Gefahren abwenden soll. "Verbal werden wir häufig bedroht", berichtet die Geschäftsführerin Angelika Ratswohl, "aber ungefähr einmal im Jahr passiert auch wirklich etwas."

Dass ein neues Haus notwendig war, zeigt die Auslastung: Im ersten Halbjahr 2001 betrug sie 94 Prozent, wobei etwa die Hälfte der Frauen aus Graz, der Rest aus den steirischen Bezirken kommt. Die Kosten für das Haus mit seinen 24 Mitarbeiterinnen tragen die Stadt Graz (4,8 Mio.) und das Land (3,3 Mio. Schilling). Verträge gibt es immer nur auf zwei Jahre befristet, der aktuelle läuft mit Ende 2001 aus. Ratswohl: "Es wäre schön, unbefristete Verträge zu bekommen, denn dass wir einmal weniger ausgelastet sein könnten, ist ein frommer Wunsch."

Im Vorjahr konnte sich mehr als ein Drittel der betreuten Frauen eine unabhängige Existenz aufbauen. Das werde ihnen in Zukunft durch die massiven Kürzungen der Wohnbeihilfe erschwert, warnt Martha Stadler. "Das ist wirklich tragisch, denn diese Frauen haben mit der Wohnbeihilfe gerechnet."
(cms) - DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 23.08.2001

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