Flöhe im Bett, Kot im Meer

23. August 2001, 14:35
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Konsumentenschützer: Jährlich 3000 Beschwerden wegen "Urlaubskatastrophen"

Wien - Es sollte Griechenland sein - für 14 Tage, preisgünstig und mit Wassersportmöglichkeiten. Diese Vorgaben machte Gunther-Cyrill Hebein der Dame von der Restplatzbörse in der Wien-Mariahilf. Nach längerer Suche wurde diese auch fündig: Hotel Byzantio in Hersonnisos/Kreta. AUA-Flug ab Wien. Preis: 6390 Schilling. Dem Innsbrucker Studenten sagte das Angebot zu. Damit war sein Urlauberschicksal besiegelt.

"Es war meine erste Last-Minute-Reise", sagt Hebein, "und gleich eine Katastrophe." Und die begann schon vor dem Abflug: Der wird von elf auf 20 Uhr verlegt. Hebein und seine Freundin erhalten einen Gutschein fürs Mittagessen, entschließen sich aber, mit Inlineskates Richtung Wien zu rollen. Als der Student von unterwegs aus noch einmal die AUA-Hotline anruft, teilt man ihm mit, dass sein Flug in exakt 20 Minuten abhebe.

Mit Ach und Krach erwischt das Paar den Ersatzflieger der Lauda Air. Die AUA-Bordkarten sind nicht mehr gültig. Hebein und seine Partnerin müssen sich irgendwo einen Platz suchen und ihre Flugangst auf getrennten Sitzplätzen bewältigen.

Schutz vor Hundeurin

In Heraklion fehlt das Gepäck, Verlust wird angemeldet. Transfer zum Hotel. Nach geschlagenen zwei Stunden lässt sich dort ein Rezeptionist auftreiben, der dem Paar ein Zimmer zuweist - im Keller, die Fenster lassen sich nicht öffnen (weil die Hunde herein urinieren könnten). In der Nacht stellt sich zudem heraus, dass sich nicht nur Herr Hebein und seine Freundin, sondern offenbar auch Flöhe im Bett befinden. Ein Zimmerwechsel ist erst Tage später möglich. Bis dahin muss gekratzt werden.

Auch am Strand erfüllen sich die Vorstellungen des Studenten nicht: Weit und breit keine Wassersportgelegenheiten; nicht einmal schwimmen ist möglich, weil Kot auf den Wellen schaukelt. Herr Hebein protestiert beim Reiseveranstalter Neckermann, wahrt die Contenance, verliert dafür aber seine Brille. Ein medizinischer Notfall: Der Student hat -5 Dioptrien und ist ohne Brille praktisch blind. Ein Neckermann-Betreuer rät ihm: "Schauen Sie wegen eines Optikers in die griechischen Gelben Seiten."

Zu spät

Bis zum Rückflug laboriert das Paar an seinem "Urlaub". Und sogar dieser geht derart verspätet von Heraklion weg, dass Hebein und seine Freundin einen Zug versäumen, auf dem Wiener Südbahnhof übernachten müssen und zu spät zu einer Hochzeitsfeier in Kärnten kommen.

Nachträgliche Proteste bei der Restplatzbörse, der Lauda Air und Neckermann nützen nichts. Lauda bietet 350 Schilling für das verspätet zugestellte Gepäck, ansonsten wird in Briefen bedauert.

"Solche Beschwerden bekommen wir etwa 3000-mal im Jahr", erklärt Renate Wagner vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Wien dazu. Die meisten beträfen mangelhafte Leistungserbringung oder Überbuchungen bei Pauschalreisen. Die Chancen auf eine finanzielle Wiedergutmachung (nach der so genannten Frankfurter Liste) stünden gut. In etwa 60 Prozent der Fälle könnten sich Urlauber und Reiseveranstalter außergerichtlich einigen. (Info unter: 01/58 87 70)

Bei Herrn Hebein riet der VKI zur Klage. Der will aber nicht prozessieren und hat an seinem Urlaub immerhin etwas Positives gefunden: "Meine Freundin und ich wissen jetzt, dass wir auch in Extremsituationen zusammenhalten." (chr/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23. August 2001)

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