Olympe de Gouges: "O Frauen! Frauen, wann hört ihr auf blind zu sein?"

23. August 2001, 11:52
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Das frauenpolitische Engagement der Revolutionärin endete unter der Guillotine

Die "Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin" Olympe de Gouges´ gilt als eines der bedeutendsten Manifeste des Frühfeminismus. Vor mehr als 200 Jahren hatte sich die französische Feministin und Schriftstellerin als Einzelkämpferin der Französichen Revolution für Frauenrechte eingesetzt.

Was nicht heißen soll, dass Frauen an der Französischen Revolution nicht maßgeblich beteiligt gewesen wären. Im Gegenteil: Sie gründeten Clubs, in denen sie Menschen- und Bürgerinnenrechte für Frauen forderten; sie waren Volksrednerinnen und riefen zur Frauenbewaffnung auf.

Gleichheit nur für Männer

Als am 3. September 1791 die neue französische Verfassung verabschiedet worden ist, war die Diskriminierung der Frauen aufs Neue festgeschrieben: sie waren vom Wahlrecht und anderen politischen Rechten ausgeschlossen. Zum wiederholten Male entpuppte sich die Republik als Männerstaat. Die einzigen positiven Wirkungen waren Erbrecht, Abschaffung der Ehebeschränkungen, bedingtes Scheidungsrecht und Rechtsfähigkeit vor Gericht. Vom Wahlrecht und von den anderen politischen Rechten war das weibliche Geschlecht nach wie vor ausgeschlossen.

"Die Frau ist frei geboren ..."

Wenige Tage nach Erscheinen der Verfassung konterte Olympe de Gouges mit ihrer Streitschrift "Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin", welche sie der französischen Königin Marie Antoinette widmete. Darin wies sie darauf hin, dass der Mann alleine von der Französischen Revolution profitierte, indem er sein eigenes Recht auf Gleichheit verlangte und gleichzeitig despotisch über das weibliche Geschlecht befehlen wollte.

Ihre Erklärung der Frauenrechte ist eine Ergänzung bzw. Entgegnung der "Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte", die 1789 verfasst worden war. Sie enthält ebenso 17 Artikel, von denen der erste lautet: "Die Frau ist frei geboren und bleibt dem Manne ebenbürtig in allen Rechten...". "Nation" definierte de Gouges als "Vereinigung von Frauen und Männern", was zu dieser Zeit ein Skandal war.

Sterben für politischen Einsatz

Am 3. November 1793, zwei Jahre nach dieser Veröffentlichung, wurde sie aufgrund des "Gesetzes über die Verdächtigen" auf dem Schafott hingerichtet. 15 Tage nach Marie Antoinette wurde auch sie Opfer der Jakobinerdiktatur, unter der sich die Männerherrschaft wieder festigte.

Geboren wurde die Feministin und Schriftstellerin am 7. Mai 1748 unter dem Namen Marie Gouze in Montauban. Bereits im Alter von 17 Jahren wurde sie verheiratet und es hätte ihr offenbar dasselbe Schicksal geblüht wie Millionen Frauen ihrer Zeit. Doch schon nach einem Jahr wurde sie Witwe und die kurze Eheerfahrung hatte ihr gereicht, um die Ehe als "der Liebe Grab" zu formulieren.

Engagement gegen jede Art von Ungerechtigkeit

Ab 1778 bewegte sich Olympe mehr und mehr im Kreis von Intellektuellen. Als sie sich selbst der Schriftstellerei zuwandte, irritierte das vor allem ihre männlichen Zeitgenossen, für die "eine Frau wie sie nur schön zu sein" hatte und sonst gar nichts. Nach der Publikation eines autobiografischen Romans, verfasste sie 1788, als ein Staatsbankrott drohte, ihre ersten patriotischen Schriften. Mit der Forderung, alle Stände sollten freiwillig Steuern zahlen, wollte sie das soziale Elend beheben. Bekannt ist auch ihre Aversion gegen Gewalt, die sie in Pamphlete gepackt, als Plakate in ganz Paris affichieren ließ. (dabu)

Olympe de Gouges. Mensch und Bürgerin "Die Rechte der Frau" (1791), hrsg. von Hannelore Schröder, ein-FACH-Verlag, Aachen 1995, ATS 218,-
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