"Vier Direktbanken werden überleben"

22. August 2001, 17:24
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Österreichs größter Anbieter direktanlage.at schrieb heuer erstmals rote Zahlen

London - In Deutschland jagte in der Vorwoche bei den Direktbanken eine Schreckensnachricht die nächste. Tiefrote Zahlen wurden vorgelegt. In Österreich ist es zwar nicht so wild, aber in den nächsten paar Jahren rechnet Ernst Huber, Chef der direktanlage.at, dennoch mit einer Marktkonsolidierung: "Es werden drei bis vier Anbieter übrig bleiben."

Noch haben Österreichs Direktbanken den Trend nach unten nicht mitvollzogen, aber das internationale schwache Börsenumfeld deutlich gespürt. direktanlage._at, eine 100-Prozent-Tochter der HypoVereinsbank-Gruppe und mit einem Marktanteil von 50 Prozent Österreichs größter Anbieter im Onlinebanking, ist heuer erstmals in die roten Zahlen gekommen.

Hohe Kosten durch Abspaltung

Huber begründet das mit den hohen Kosten für die Abspaltung aus der SKWB Schoellerbank. Die bewegten sich zwischen 19 und 29 Mio. S (2,11 Mio. €). Zudem habe die Direktbank auch weniger Aufträge im Wertpapiergeschäft verbucht. "Aber trotz der schwachen Börsenlage haben wir ohne die Abspaltungskosten doch noch schwarze Zahlen erzielt", sagt Huber. Und immer noch erziele man mit durchschnittlich zwölf Aufträgen pro Kunde und Jahr doppelt so viel wie die vergleichbaren deutschen Discountbroker, die an der Flaute der Börsengänge vor allem am Neuen Markt besonders zu nagen haben.

20.000 Kunden angestrebt

direktanlage.at strebt für dieses Jahr eine Zahl von 20.000 Kunden an, ursprünglich habe man mit 30.000 gerechnet. Derzeit betreue man 17.500 Kunden mit einem Portfoliovolumen von insgesamt neun Mrd. S. Bis 2004 will Huber auf 75.000 Kunden kommen. Er zitiert Marktforschungen von J.P. Morgan Securities, die davon ausgehen, dass noch drei Viertel des Discount Brokerage Marktes in Österreich zu vergeben sind. Um sich einen großen Teil des Kuchens zu sichern, richten die Salzburger im Herbst einen neuen Beratungsdienst unter dem Kennwort "Oscar" ein. In Salzburg und Wien beraten direktanlage.at-Mitarbeiter die Kunden über die 3500 bis 4000 Fonds, in die sie investieren können. Dazu gehörten auch Informationen über Steuern. (Esther Mitterstieler, DER STANDARD, Printausgabe 23.8.2001)

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