Das Freilandschwein im Supermarkt

23. August 2001, 19:56
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Unter Dichand-Beteiligung startet "Ja, Natürlich!" im September Biofleischverkauf

Wien/Geras/Pama - Im September ist’s wieder so weit: Biofleisch aus Schweine-Freilandhaltung in den Kühlregalen der Supermarktketten Billa und Merkur. Preis: Um ein Viertel mehr als konventionell produzierte Schnitzerln, Vermarkter: Ja, Natürlich!, Österreichs größte Bio-Kette.

Vor zwei Jahren sei man mit Ja, Natürlich!-Gründer Werner Lampert mit einem Angehörigen der Familie Dichand beisammen gesessen. "Herr Lampert meinte, was für die Hühneraufzucht möglich ist, müsse auch bei den Schweinen machbar sein", erinnert sich Projektleiter Andreas Kocourek an die Geburtsstunde der konsumentenfreundlichen Schweinefreilassung.

Ende 2000 war ein erstes Fleischkontingent nach der Schlachtung von 50 Freilandschweinen aus einem Pilot-Projekt im Stift Geras (DER STANDARD berichtete) binnen weniger Tagen über die Budel gegangen, nun soll kontinuierlichen für Nachschub gesorgt werden. Planziel: 5000 Tiere ab dem Jahr 2003. Überhaupt, weiß Kocourek, sei die Nachfrage nach dem Freilandfleisch enorm, "wie bei allen im Supermarkt erhältlichen Bioprodukten".

Arbeitsziel Lamperts und der Familie Dichand - die auf dem Csardahof im burgenländischen Pama sämtliches Ja, Natürlich!-Saisongemüse produziert - sei von Anfang an gewesen, die Schweine im Freien nicht nur zu mästen, sondern auch zu züchten: In naturgetreuen Rotten mit je vier bis sechs Paaren bis zu 120 Kilogramm Gewicht.

Eine laut Nutztierforscher Sigurd Konrad "international neue Herangehensweise", über die der Experte eine Begleitstudie erstellen wird. An deren Ende solle "ein Handbuch für Bauern" stehen, die in der Zukunft beim Ja,Natürlich!-Projekt mitmachen. Das Land Niederösterreich hat schon Unterstützung zusagt.

Bisher sind es deren sieben: Landwirte aus dem Stiftsumkreis in der Nähe von Horn (Waldviertel) sowie der Csardahof selbst. "Überall dort wurden uns alle Genehmigungen erteilt", betont Kocourek. Die Bauern produzieren allesamt als Lizenznehmer für die extra gegründete Marke "Freilandschwein Stift Geras".

Niederer Preis ab Hof

Diese werde, so Kocourek, "für Qualität bürgen", was die Käufer schätzten. Und den beteiligten Bauern die Abnahme ihres Schweinefleisches zu einem fixen Preis garantieren. Dieser liegt derzeit bei 34 Schilling (2,47 €) pro Kilo, ein Preis, der - wie von Biobauern eingewendet wird - den Aufwand nicht decken kann" Zum Vergleich: Konventionell produziertes Fleisch kostet ab Bauernhof 25 Schilling. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23. August 2001)

Von Irenen Brickner LINK

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