Tschechien: Deutsche Minderheit fordert Entschädigung von Prag

22. August 2001, 16:17
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Vertreter sprechen von Zwangsarbeit, Inhaftierung und Enteignung nach dem Krieg

Prag - Die deutsche Minderheit in Tschechien hat an die Regierung in Prag appelliert, Entschädigungen für die nach dem Zweiten Weltkrieg geleistete Zwangsarbeit sowie für Inhaftierungen und Enteignungen an die Bevölkerungsgruppe zu leisten. Mindestens die Hälfte der etwa 60.000 Mitglieder sei betroffen, sagte der Leiter des Dachverbandes, Hans Korbel, am Mittwoch in Prag. Es gehe um Rückgabe oder Entschädigung des konfiszierten Eigentums sowie um Entschädigung für Freiheitsentzug und Zwangsarbeit, betonte der 60-Jährige.

Nachdem Tschechien sich erfolgreich international für eine Entschädigung seiner Opfer eingesetzt habe, müsse sich das Land auch dazu bekennen, dasselbe gegenüber Deutschen getan zu haben, sagte Korbel der dpa. Mit dem Appell, den man dem Petitionsausschuss des Abgeordnetenhauses in Prag übergeben habe, belaste man nicht die bilateralen Beziehungen, denn man wende sich als tschechische Bürger an den tschechischen Staat. Er wolle für das Anliegen auch innerhalb der Fraktionen des Deutschen Bundestags werben, sagte Korbel der dpa.

Zum finanziellen Umfang von Entschädigungen konnte Korbel nichts sagen. Tschechische Politiker äußerten sich in ersten Reaktionen zurückhaltend. (APA/dpa)

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