Frankreich klagt über zu hohe Kirch-Preise für WM 2002

22. August 2001, 16:17
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"Free-TV-Übertragungen" der Spiele im Land des Weltmeisters gefährdet

Paris - Im Land des Fußball-Weltmeisters Frankreich läuft man gegen die Kirch-Gruppe wegen zu hoher Forderungen für die Übertragunsgrechte der Fußball-WM 2002 Sturm. Die Verhandlungen zwischen den TV-Anstalten des Landes und dem Münchner Medienriesen über die Ausstrahlung der Spiele in Japan/Südkorea sind laut einem Bericht der Wirtschaftszeitung "La Tribune" vom Mittwoch blockiert. Möglicherweise kommt es damit zu keiner Übertragung der WM-Spiele des Titelverteidigers im öffentlichen TV.

"Wir kommen keinen Schritt voran"

Kirch besitzt nach dem Konkurs des Sportvermarkters ISMM/ISL die weltweiten TV-Rechte für die WM-Turniere 2002 und 2006, für die er insgesamt 24,6 Milliarden Schilling (1,79 Mrd. Euro) bezahlt hat. "Wir kommen keinen Schritt voran. Die Kirch-Gruppe spielt auf Zeit. Weder wir noch TF1 sind bereit, nachzugeben", sagte Charles Bietry, Chef der Sportdienste des öffentlich-rechtlichen französischen Fernsehens France Television, in einem Interview mit der Zeitung. "Wir können nicht für eine einzige WM einen ganzen Fernsehsender in finanzielle Bedrängnis bringen", betonte Bietry.

Kirch will stolze 2,1 Milliarden Schilling

Kirch verlangt nach Informationen der Sender von den französischen Fernsehanstalten mehr als eine Milliarde Franc (152 Mill. Euro/2,10 Mrd. S), diese Summe will jedoch niemand bezahlen. Gleichwohl sagte die Kirch-Gruppe der Zeitung zufolge, die Verhandlungen würden fortgesetzt, es werde eine Lösung gefunden werden. Die TV-Sender führen dagegen an, dass die Werbeeinnahmen deutlich gesunken sind und es schwierig wird, die Kosten für die WM 2002 wieder hereinzuholen. Denn die Live-Übertragungen gehen zur ungünstigen Sendezeit zwischen acht Uhr morgens und Mittag über die Bühne.

Widerstand auch in Großbritannien

Widerstand gegen die Kirch-Vermarktung regt sich auch in anderen Ländern, wie etwa in Großbritannien. Für den Münchner Medienhändler könnte die WM in Asien dennoch ein lohnendes Geschäft werden. In Deutschland zahlen allein ARD/ZDF rund 115 Millionen Euro (1,58 Mrd. S) für maximal 25 Live-Spiele. Die komplette WM läuft im hauseigenen Pay TV-Sender Premiere World. Aus Spanien fließen fast 200 Millionen Euro in die Kirch-Kasse. Nach Angaben von Joseph Blatter, Präsident des internationalen Fußball-Verbandes (FIFA), beträgt das Volumen der bereits getätigten Abschlüsse mehr als sieben Milliarden Schilling. (APA/dpa)

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