Israelische Vertreter sichten Videos von Soldatenentführung

22. August 2001, 15:56
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Blutspuren geprüft - Hisbollah droht UNO

Genf - Israelische Behördenvertreter haben am Mittwoch am Genfer UNO-Sitz zwei Videos zur Entführung israelischer Soldaten im Südlibanon gesichtet. Sie wurden von einem indischen UNO-Soldaten und weiteren Beobachtern bei der Verschleppung von drei Israelis durch die Schiitenmiliz Hisbollah am 7. Oktober gedreht. Die israelischen Vertreter prüften auch mehrere Objekte, die am Tatort gefunden wurden.

Die Video-Vorführung fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Angehörige der Opfer waren nicht anwesend. Nach Angaben von UNO-Sprecher Jamel Ben Yahmed prüften die israelischen Experten auch Blutspuren an Gegenständen, welche die UNO in den Fahrzeugen gefunden hatte, die bei der Entführung verwendet worden waren. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde mit der Blutanalyse beauftragt, um festzustellen, ob es von den israelischen Soldaten stammt.

Annan bedauerte "schwere Fehler"

Am 3. August hatte UNO-Generalsekretär Kofi Annan "schwere Fehler" der UNO bedauert, die zur Nichtweitergabe von Informationen an Israel führten. Die UNO hatte zuvor dementiert, über die Filmaufnahmen zu verfügen.

Die Hisbollah hatte den Vereinten Nationen gedroht, UNO-Friedenssoldaten künftig als Spione zu betrachten, falls Israel das Band bekommen sollte. Die vom Iran finanzierte und gesteuerte Schiitenmiliz hat auch einen 54-jährigen israelischen Geschäftsmann, den sie als Oberst des Geheimdienstes Mossad bezeichnet, in ihrer Gewalt.

Neben dem deutschen Bundesnachrichtendienst, der 1999 einen Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hisbollah vermittelt hatte, hat sich auch der österreichische Verteidigungsminister Herbert Scheibner bemüht, einen Gefangenenaustausch zu erwirken. Die Hisbollah verlangt von Israel die Befreiung von Abdel Karim Obeid und Mustafa Dirani; der Schiitenführer Obeid war 1989, Dirani 1994 von israelischen Kommandos aus dem Libanon entführt worden. Die beiden Männer sitzen ohne Gerichtsverfahren in israelischen Hochsicherheitsgefängnissen. (APA/sda)

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