Bridget Jones: Ein Frauenalltag voller Fehlleistungen als Erfolgsstory

22. August 2001, 12:28
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Die Verfilmung des britischen Bestsellers gerät zur eher konventionellen Romantik-Komödie

Wien - Eine von uns, sollte man denken - ein Working Girl in den besten Jahren, das gegen biestige Kollegen und eigene Schwächen wie Alkoholkonsum, Zigarettenverbrauch und andere teure Lebensgewohnheiten kämpft.

Vor allem aber ist Bridget Jones, PR-Assistentin bei einem Londoner Verlagshaus, eine allein stehende Frau über dreißig, und der Vorsatz "Baue eine funktionierende Beziehung mit einem verantwortungsbewussten Erwachsenen auf" steht deshalb auch auf ihrer Neujahrsvorsatzliste.

Bridget Jones: Eine britische Ikone

Bridget Jones ist inzwischen schon eine Art britische Ikone: Ihre Erfinderin, die Journalistin Helen Fielding, entwickelte die Figur 1995 und ließ sie im Rahmen einer wöchentlichen Kolumne in der Tageszeitung The Independent über die Aufs und Abs des Lebens als "Singleton" räsonieren.

Gut ein Jahr später waren Bridgets Aufzeichnungen bereits in Buchform erhältlich, und spätestens mit Erscheinen der Taschenbuchausgabe 1997 entwickelte sich das Tagebuch zum Bestseller.

Dass eine Auswertung in Filmform folgen würde, war vor diesem Hintergrund keine große Überraschung: Die Produktionsfirma Working Title, die dem britischen Kino bereits mit Four Weddings & A Funeral oder Notting Hill Publikumserfolge bescherte, sicherte sich schon 1997 die Rechte und verpflichtete schließlich die TV- und Dokumentarfilmemacherin Sharon Maguire als Regisseurin.

Bridget Jones's Diary - Schokolade zum Frühstück, der nunmehr auch in den österreichischen Kinos startet, entpuppt sich als relativ belanglose Komödie. Verglichen mit dem Buch ist noch einiges an Dynamik verloren gegangen. Bridgets treuer Freundeskreis etwa wurde auf Chargengröße reduziert - was schade ist, weil sich dadurch das Geschehen umso mehr auf die Suche nach dem passenden Mann reduziert.

Den gibt es in zweierlei Ausführung: Hugh Grant darf - in einer seiner besseren Rollen - den windigen, aber äußerst charmanten Chef von Bridget spielen, der sie in eine verheißungsvolle Affäre verwickelt.

Idealer Ehekandidat

Colin Firth hingegen - als Mr. Darcy in der BBC-Verfilmung von Jane Austens Pride & Prejudice schon einmal idealer Ehekandidat - ist die eigentliche Verkörperung des "verantwortungsbewussten Erwachsenen". Nur wird der Weg zu ihm von einer wachsamen Konkurrentin, Missverständnissen und Fehlleistungen verstellt.

So weit, so gut. Worüber man anhand von Bridget Jones außerdem gut nachdenken kann, ist die Frage, wie "Frauen" und "Komik" im Kino überhaupt zusammengehen. Wobei schnell klar wird, dass weibliche Komik eng an soziale Gegebenheiten und Normen gebunden bleibt, selten wirklich exzessiv wird und sich vor allem auf das Feld der (romantischen) Typenkomödie beschränkt.

Das komische Potenzial liegt in situativen Entgleisungen: sich daneben benehmen, aus der Rolle fallen oder aus der Form geraten, äußere Ansprüche nicht erfüllen oder an eigenen Vorgaben scheitern. Dabei wird selten richtig bösartig agiert, eher schon sind die Protagonistinnen "selbstzerstörerisch" zugange.

Auch die aktuelle Leinwandheldin verfügt über ein entsprechend ausgeprägtes Distanzierungsvermögen, das ihr erlaubt, über sich lachen zu können. Hollywood-Schauspielerin Renée Zellweger, die zuletzt etwa in Neil La Butes Nurse Betty eine etwas differenziertere, tragikomische Figur verkörperte, gelingt es denn auch, Bridget Jones nicht vorzuführen - wie das etwa die Werbelinie des Films mit tiefen Blicken ins Dekolleté oder einem zielsicheren Männergriff nach Bridgets Hintern tut.

Am Ende aller Tage bleibt dann ohnehin der Traum vom Eheglück - und somit eine zeitgemäß aufgepeppte, aber doch ziemlich klischeehafte, alte Geschichte.
Isabella Reicher - DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 22.08.2001

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    Regisseurin Sharon Maguire (l) und Hauptdarstellerin Renee Zellweger (r)
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