25 Jahre Richard-Wagner-Museum

22. August 2001, 12:08
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Dreifachjubiläum in Bayreuth

Bayreuth - Das Doppeljubiläum "125 Jahre Bayreuther Festspiele" und "50 Jahre Neues Bayreuth" überlagert einen weiteren runden Geburtstag: Vor 25 Jahren öffnete das Richard-Wagner-Museum in der Villa Wahnfried seine Pforten. "Zum Feiern haben wir kein Geld", wiegelt jedoch Sven Friedrich ab. Der Direktor des Museums wartet stattdessen mit einer neuen Multi-Media-Präsentation der Nachkriegsgeschichte der Bayreuther Festspiele auf. An vier Terminals können die jährlich mehr als 30.000 Besucher Informationen, Bilder, Audio- und Videobeispiele zu den Inszenierungen und den Künstlern abrufen.

Den durch die neue Technik frei geworden Ausstellungsraum will Friedrich der politischen und ideologischen Rezeptionsgeschichte des Werkes Wagners widmen. Dazu gehören "auch Wagners Antisemitismus und seine Folgen bis zum Zusammenhang seines Werkes und der Bayreuther Festspiele mit dem Dritten Reich", wie Friedrich das heikle Thema umschreibt.

Tausende Originale

Mit einigen Tausend Originalbriefen Richard Wagners und handschriftlichen Dokumenten Wagners und seiner Familie ist das angegliederte Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung das weltweit größte Zentrum der Wagner-Forschung. Das Archiv beherbergt die Originale von Wagners Dichtungen und Schriften ebenso wie die originalen Partitur-Handschriften des "Fliegenden Holländers", des "Tannhäuser", von "Lohengrin", "Siegfried", "Götterdämmerung", "Tristan und Isolde" und "Parsifal".

Die Erfüllung

Parallel zu seinem Festspielhaus am "Grünen Hügel" baute Richard Wagner nach seiner Übersiedlung nach Bayreuth im Jahr 1872 am Rande des Hofgarten auch ein Wohnhaus. Über dem Eingang ließ Wagner die Worte "Hier wo mein Wähnen Frieden fand - Wahnfried - sei dieses Haus von mir benannt" eingravieren. In diesem Taufspruch manifestiert sich die Überzeugung Wagners, in Bayreuth die Erfüllung seines Lebens gefunden zu haben, bemerkt Friedrich.

"Es ist vollbracht"

In der Villa Wahnfried vollendete er am 21. November 1874 mit der Partitur der "Götterdämmerung" den "Ring des Nibelungen", das mit vier Teilen größte Werk der Musiktheatergeschichte. Ein Jahr nach den ersten Festspielen begann er dort sein "Weltabschiedswerk", den "Parsifal", das er am 13. Jänner 1883 mit den Passionsworten "Es ist vollbracht" abschloss. 13 Monate später starb Wagner in Venedig. Seine letzte Ruhe fand er im Garten der Villa Wahnfried, wo auch seine Witwe Cosima 47 Jahre später beigesetzt wurde.

Die Villa Wahnfried und das später gebaute Siegfried-Wagner-Haus dienten der Familie bis zum Tode Wieland Wagners im Jahr 1966 als Wohnhaus. Siegfried Wagners Witwe Winifred nutzte den Anbau in den 30er Jahren als Gästehaus. Dort logierten Arturo Toscanini, Richard Strauss und ab 1936 auch Adolf Hitler. Am 5. April 1945 wurde das Haus Wahnfried durch eine Fliegerbombe weitgehend zerstört. Die 2.500 Bände umfassende Bibliothek seines Großvaters hatte Wolfgang Wagner zwei Wochen zuvor ausgelagert, sonst wäre auch sie ein Raub der Flammen geworden. (APA)

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