Lufthansa: Pilotenstreik und Konjunkturflaute belasten

22. August 2001, 13:31
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Verluste im ersten Halbjahr - Umsätze gestiegen

Frankfurt - Die Konjunkturflaute und die teuer erkaufte Tarifeinigung mit den Piloten haben der Lufthansa im ersten Halbjahr rote Zahlen beschert. Nach Steuern wies die Airline einen Verlust von 43 Mill. Euro (592 Mill. S) aus. Das operativen Ergebnis verringerte sich um nahezu 70 Prozent auf 105 Mill. Euro. Der Vorsteuergewinn brach um rund 96 Prozent auf 24 Mill. Euro ein. Die Kosten des Pilotenstreiks und der Tarifeinigung bezifferte Lufthansa am Mittwoch auf rund 160 Mill. Euro im ersten Halbjahr.

An Prognosen wird festgehalten

Dennoch hielt die Airline an ihrer im Juni nach unten korrigierten Prognose für das Gesamtjahr von 700 bis 750 Mill. Euro beim operativen Ergebnis fest. Vorausgesetzt würden allerdings eine Erholung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im vierten Quartal sowie stabile Durchschnittserlöse.

Die Erwartungen von Analysten für das erste Halbjahr hatten zwischen einem Nettogewinn von 22 Mill. Euro und zu einem Verlust von 118,6 Mill. Euro gelegen. Die meisten hatten allerdings einen Verlust erwartet. Nachdem die Lufthansa-Aktie zu Wochenbeginn unter Druck geraten war, fiel die Reaktion der Börse nun verhalten positiv aus. Bis zum Mittag legte das Papier um 0,73 Prozent zu.

Konjunkturflaute

Die Lufthansa teilte mit, die konjunkturelle Abschwächung der Weltwirtschaft, die sich ab Mai auch in Europa verstärkt bemerkbar gemacht habe, belaste die gesamte Luftfahrtindustrie. Mit einer Anpassung ihrer Kapazitäten will Airline der Flaute begegnen. Unprofitable Strecken werden eingestellt und auf einigen Nordatlantik-Routen werden kleinere Flugzeuge eingesetzt. Lufthansa Cargo habe bereits Kapazitäten in der Größenordnung von zwei Boeing 747-Frachtern aus dem Markt genommen.

Pilotenstreik belastet

Belastet wurde das Lufthansa-Ergebnis den Angaben zufolge vor allem durch die Kosten für den Pilotenstreik und die Tarifeinigung. Die Personalkosten stiegen den Angaben zufolge überproportional um 14,4 Prozent auf 1,9 Mrd. Euro. Die Kosten durch den Tarifabschluss für die Piloten bezifferte Lufthansa auf 125 Mill. Euro, davon wurden 85 Mill. dem ersten Halbjahr zugerechnet. Hinzu kämen die Kosten für den Streik von 75 Mill. Euro.

Aber auch die höheren Treibstoffkosten schlugen den Angaben zufolge im ersten Halbjahr negativ zu Buche. Sie stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 31,4 Prozent oder 196 Mill. Euro. Ohne die von der Lufthansa ergriffenen Maßnahmen zur Preissicherung wäre die Kerosinrechnung aber noch um 82 Mill. Euro höher ausgefallen, teilte das Unternehmen mit.

Höhere Umsätze

Lufthansa berichtet zugleich von höheren Umsätzen in allen Geschäftsfeldern. Die Verkehrserlöse seien um 10,7 Prozent auf 6,2 Mrd. Euro gestiegen. Die anderen Betriebserlöse nahmen um 27,8 Prozent zu. (APA/AP)

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