Die Änderungen bei den Landeslehrern

22. August 2001, 11:12
posten

Jahresnormmodell bringt Arbeitszeit von 1.776 Stunden pro Schuljahr - Bis zu vier Prozent weniger Planstellen

Wien - Die sogenannten Landeslehrer, also vor allem Volks-, Haupt- und Sonderschullehrer, werden sich auf Grund des neuen Dienstrechts auf einige Änderungen einstellen müssen. Das im vergangenen Schuljahr bei einer Urabstimmung unter den rund 75.000 Landeslehrern abgesegnete, für vier Jahre geltende "Jahresnormmodell" soll vor allem die Arbeitszeit der Lehrer mit jener anderer Berufsgruppen vergleichbar machen. Kritiker befürchten hingegen Gehaltsverluste und eine De-facto-Erhöhung der Lehrverpflichtung.

Das "Jahresnormmodell" löst das bisherige "Pflichtstundenmodell" ab, das eine Lehrverpflichtung von 23 Stunden pro Woche vorsah. Die Arbeitszeit der Landeslehrer (vor allem Lehrer an Volks-, Haupt-, Sonder- und Polytechnischen Schulen) wird durch die Fixierung eines Jahreszielwerts von grundsätzlich 1.776 Stunden (1.736 für Lehrer ab dem 25. Dienstjahr) festgelegt, der sich in drei Gruppen gliedert.

Zwischen 720 und 792 Stunden sind dabei für die Unterrichtsverpflichtung inklusive der Aufsichtspflicht (Tätigkeitsbereich A) veranschlagt. Erreicht wird dieser Wert durch eine Wochenunterrichtsverpflichtung zwischen 20 und 22 Wochenstunden multipliziert mit den 36 Schulwochen pro Jahr. Unterschritten werden darf diese Wochenstunden-Anzahl nur auf Grund der Betreuung der Informationstechnologie-Arbeitsplätze oder der Schulbibliothek bzw. wegen der Ausübung bestimmter pädagogisch-administrativer Tätigkeiten auf Grund besonderer Eignung eines Lehrers.

In die zweite Gruppe (Tätigkeitsbereich B) fallen die Zeiten für die Vor-, Nachbereitungs- und Korrekturstunden. Der dafür veranschlagte Zeitaufwand beträgt fünf Sechstel der Stunden des Tätigkeitsbereichs A.

Schulleiter legt fest

Die Stunden für den Tätigkeitsbereich C ergeben sich aus der Differenz zwischen den gesamten Jahresstunden und der Summe der Stunden der ersten beiden Gruppen. Damit umfasst er jene sonstigen Tätigkeiten, die zu den lehramtlichen Pflichten zählen. Festzulegen sind sie vom jeweiligen Schulleiter. Inkludiert sind dabei 100 Stunden für "allgemeine lehramtliche Pflichten" wie die Abhaltung von Sprechtagen, die Teilnahme an Schulkonferenzen, Koordinationstätigkeiten sowie Schulentwicklung, Reflexion und Qualitätssicherung von Unterricht. 66 Jahresstunden sind für Klassenvorstandstätigkeiten bzw. Klassenführung vorgesehen, 15 für die Teilnahme an verpflichtenden Fortbildungsveranstaltungen und zehn für die unvorhersehbare Vertretung eines verhinderten Lehrers (Supplierstunden) ohne zusätzliche Abgeltung von Mehrdienstleistungen. Die restlichen Stunden sind für die Erfüllung besonderer Tätigkeiten wie die Verwaltung von Lehrmittelsammlungen, die Teilnahme an Schulveranstaltungen und Ähnliches reserviert.

Im kommenden Schuljahr werden laut den vorläufigen Stellenplänen voraussichtlich drei bis vier Prozent weniger Planstellen für Landeslehrer zur Verfügung stehen, das entspricht etwa 2.500 Posten. Dadurch spart der Bund rund 1,5 Milliarden Schilling ein. Allerdings sollen dabei keine Lehrer "freigesetzt" werden: Wenn Pädagogen gekündigt oder deren befristete Verträge nicht verlängert würden, hat die Gewerkschaft bereits Kampfmaßnahmen angekündigt. Ausgenommen sind dabei Freisetzungen auf Grund sinkender Schülerzahlen und der Rückkehr von Karenzvertretungen in den Dienst.

Ergänzt wird das neue Dienstrecht durch einen Sozialplan, der als "Zuckerl" eine verbesserte Vorruhestandsregelung in Form eines sechsmonatigen Sonderurlaubs vorsieht. Bereits ein halbes Jahr vor dem frühestmöglichen Pensionsantritt mit 56,5 Jahren können die Pädagogen bei vollen Bezügen aus dem Berufsleben ausscheiden. Allerdings müssen sie wie bisher Pensionsabschläge von vier Prozent pro Jahr (maximal aber 20 Prozent) bei Versetzung in den Vorruhestand in Kauf nehmen. Von der Gewerkschaft war ursprünglich ein "Golden-Handshake-Modell" mit einer Auszahlung von fünf Monatsgehältern gefordert worden. Der Sonderurlaub kann wahlweise am 1. September oder am 1. Jänner angetreten werden. Außerdem erhalten die Pädagogen die Möglichkeit, einen bis zu dreimonatigen Bildungsurlaub zu konsumieren. Weiters gibt es verbesserte Regelungen für Teilzeitarbeit und den vollen Überstundenzuschlag für Mehrdienstleistungen. (APA)

Share if you care.