Sharon schränkt Mandat seines Außenministers stark ein

22. August 2001, 14:53
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Israels Premier stutzt Verhandlungsspielraum vor Treffen Arafat-Peres - Peres will sich "möglichst bald" mit Arafat treffen

Jerusalem - Der israelische Außenminister und Vizepremier Shimon Peres hat für sein geplantes Treffen mit dem palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat nur ein sehr beschränktes Mandat. Das erklärte Ministerpräsident Ariel Sharon in einem Gespräch mit dem US-Botschafter in Israel, Daniel Kurzer. Wie Sharons Büro am Mittwoch in Jerusalem mitteilte, darf Peres nur über eine Verringerung der Gewalt sowie Erleichterungen für die nicht an Terror gegen Israel beteiligte palästinensische Bevölkerung reden.

Das Gespräch zwischen Arafat und Peres, dem beide Seiten grundsätzlich zugestimmt haben, war am Dienstag vom deutschen Außenminister Joschka Fischer vermittelt worden. Es wird möglicherweise in Berlin stattfinden.

Neue Vorwürfe gegen Arafat

Sharon warf Arafat erneut vor, nichts zur Verhinderung des palästinensischen Terrors gegen Israel zu unternehmen. Nach israelischen Berichten bestritt Sharon im Gespräch mit Fischer am Dienstag, dass Arafat Israel über bevorstehende Terroranschläge in Israel informiert habe. Er habe Fischer sogar mit dem israelischen Geheimdienstchef Avi Dichter sprechen lassen, der Sharons Angaben bestätigte.

Nach Angaben seines Büros fordert Sharon weiterhin "hundertprozentigen Erfolg" und nicht nur hundertprozentige Bemühungen bei der Mitte Juni vom US-Geheimdienstchef George Tennet ausgehandelten, aber nie umgesetzten Waffenruhe in den Palästinensergebieten. Der palästinensische Parlamentspräsident Ahmed Korei (Abu Ala) hatte erklärt, Gespräche mit Peres werde es erst nach Räumung des Orient-Hauses in Ost-Jerusalem geben.

Peres will sich "möglichst bald" mit Arafat treffen

Der israelische Außenminister Shimon Peres will sich möglichst bald mit dem palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat treffen. Ein Termin sei aber noch nicht vereinbart worden, sagte Peres am Mittwoch in der polnischen Hauptstadt Warschau.

Er wolle einen Termin nicht zu früh veröffentlichten, da sonst eher Protest und nicht Unterstützung mobilisiert werden würde, sagte Peres. Der israelische Außenminister und Friedensnobelpreisträger war am Mittwoch zu einem zweitägigen Besuch in Polen eingetroffen. Die Lösung des Nahost-Konflikts könne nur politisch und nicht militärisch sein, betonte Peres. Er widersprach der Auffassung, dass nun die letzte Chance zu einer friedlichen Lösung gekommen sei. "Ich glaube nicht, dass es jemals eine letzte Chance gibt", sagte er. Doch würde er gerne das Leid und die Zahl der Opfer verringern helfen. "Krieg ist immer voller Fehler", sagte Peres.

Zu Beginn seines zweitägigen Polen-Besuchs traf er Mitglieder des polnischen Freundeskreises seines Zentrums für den Frieden. Anschließend ist eine Begegnung mit dem polnischen Staatspräsidenten Aleksander Kwasniewski vorgesehen. Obwohl es sich um keinen offiziellen Besuch handelt, trifft Peres am Donnerstag auch mit Regierungschef Jerzy Buzek und Parlamentspräsident Maciej Plazynski zusammen. (APA/dpa)

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