Deutschland: Plutoniumdieb könnte Mord geplant haben

22. August 2001, 16:35
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Lebensgefährtin im Magen verstrahlt

Berlin - Das aus der stillgelegten Karlsruher Wiederaufbereitungsanlage für Atommaterial gestohlene Plutonium sollte nach einem Bericht des Onlinemagazins stern.de offenbar für einen Mord benutzt werden. Das Magazin berichtete, der im Juli wegen des Diebstahls verhaftete 47-jährige Mann habe möglicherweise mit dem hoch radioaktiven Material seine Lebensgefährtin umbringen wollen.

Zu den Anhaltspunkten für diese These gehört, dass medizinischen Untersuchungen zufolge der Dieb selbst radioaktive Stoffe nur durch Atmung aufgenommen hat. Bei seiner Lebensgefährtin aber wurden sie im Magen gefunden, die 51-Jährige muss sie über den Mund aufgenommen haben. Die Schlussfolgerung: Ihr könnten - in Tötungsabsicht - verseuchte Speisen verabreicht worden sein.

Zu diesem Verdacht passt auch der bisher rekonstruierte Hergang: Der Portugiese mit deutschem Pass hat demnach das verseuchte Material in einem kleinen Plastikrohr aus dem Wiederaufbereitungswerk entwendet. Sein Bruder ist der Chef jener Firma, die seit 1996 mit dem Abriss der Anlage betraut ist. Seit seiner Festnahme behauptet der Dieb, er wollte nur auf mangelnde Sicherheitsmaßnahmen hinweisen.

Als die Kripo ihm auf die Spur kam, beauftragte er seine Freundin, das in der Wohnung gelagerte Strahlenmaterial wegzuwerfen, die Frau transportiert es schutzlos auf eine Halde, wo es später von der Polizei gefunden wird.

Vermutlich Rache

Aber: Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Frau möglicherweise schon im Vorjahr Plutonium, Americium und Cäsium 137 aufgenommen hat. Laut stern.de äußerten Bekannte des Paars die Vermutung, der Mann könnte aus Rache gehandelt haben, weil seine Freundin ihn verlassen wollte.

Die Ermittlungen gestalten sich indes sehr schwierig, da die Wohnung noch stark verstrahlt ist. Darüber, wer die Kosten der Dekontaminierung zu zahlen hat, ist inzwischen ein Streit zwischen den Landesregierungen von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg entstanden.

Vor kurzem ist in der gegenüberliegenden Wohnung eine junge Frau eingezogen. Ihr wurde gesagt, es bestehe keine Gefahr für ihre Gesundheit. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.8.2001, AP/red)

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