FAZ: In Mazedonien steht für die NATO sehr viel auf dem Spiel

22. August 2001, 09:07
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Es geht um die Rolle des Bündnisses als Ordnungsfaktor

Brüssel/Frankfurt - "Wird Mazedonien der NATO zum Schicksal, zum Grab ihrer Autorität als Garant einer Friedensordnung nach westlichem Zuschnitt?", fragt am Mittwoch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) in einem Kommentar zu dem Einsatz "Essential Harvest". Die westliche Allianz verlasse sich auf das, was viele als das größte aller Risiken einschätzen: die Bereitschaft der Beteiligten, Wort zu halten.

"Intern beschäftigt derzeit kein anderes Thema Militärs, Diplomaten und Politiker so sehr wie die Überlegung, was geschieht, wenn die NATO mit ihren 3500 Mann eingerückt ist und eine der Konfliktparteien Vorwände dafür findet, die Vereinbarung zu brechen. Möglichkeiten dafür sind reichlich vorhanden, beginnend mit der Weigerung, Waffen abzuliefern. Auch kann sich das Parlament weigern, die zugesagten Reformen (zu Gunsten der albanischen Minderheit, Anm.) zeitgerecht in innerstaatliches Recht zu gießen. Und schließlich können NATO-Soldaten getötet und Fahrzeuge beschossen werden, wenn sich eine der Konfliktparteien davon mehr Vorteile verspricht als von der Einhaltung der Vereinbarung."

"In diesem Fall würden die Soldaten der NATO aus Mazedonien abgezogen, lautet die lapidare Auskunft der Allianz auf die Frage, wie sie darauf reagieren würde. Dann wäre der Versuch einer friedlichen Beilegung des Konflikts gescheitert und die Beteiligten hätten die Folgen zu tragen. (... ) Dass die NATO selbst Beteiligte dieses Vorganges, vielleicht sogar der wichtigste Betroffene wäre, wird nicht erwähnt. Das ist kein Zufall, sondern ein Beleg dafür, dass die NATO davor zurückschreckt, sich Rechenschaft darüber zu geben, welches Risiko sie eingegangen ist."

"Dass Mazedonien durch ein Scheitern des Friedensplanes mutmaßlich zerbrechen und in einem Bürgerkrieg untergehen würde, ist für die Entwicklung auf dem Balkan von Belang. Dass die NATO als Ordnungsfaktor, von dem nicht nur der Frieden in Europa, sondern zu einem hohen Maße auch der Weltfrieden abhängt, hiedurch ohnmächtig und reaktionsunfähig wirken würde, hat indes eine andere Dimension." (APA)

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