Salzburg Dreifachmord: Fleischhauer stellte sich

23. August 2001, 14:09
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Motiv: Forderung von 800.000 Schilling

Salzburg - "Ich bin der, den ihr sucht. Ich bin der Täter." Mit diesen Worten stellte sich ein mutmaßlicher Dreifachmörder aus Salzburg in der Nacht zum Mittwoch der Gendarmerie. Der 21-jährige Fleischhauer gab zu, wenige Stunden zuvor mit einem 30 Zentimeter langen Küchenmesser ein Ehepaar und dessen Tochter in deren Wohnung im Flachgauer Seeham niedergestochen und den am Boden liegenden Opfern die Kehlen durchgeschnitten zu haben.

Tochter gelang es noch Gendarmerie zu alarmieren

Die Opfer, ein 51-jähriger Frühpensionist, dessen 47-jährige Gattin und die 18-jährige Tochter, dürften ihren Mörder noch selbst in die Wohnung gelassen haben. Bei der folgenden Auseinandersetzung - vor allem zwischen den beiden Männern kam es zu einem heftigen Kampf - waren sie ohne jede Chance. Der Tochter gelang es zwar noch, telefonisch die Gendarmerie zu alarmieren, die Beamten fanden im Wohnzimmer und im Stiegenhaus jedoch nur mehr die drei blutüberströmten Leichen.

Hintergrund: 800.000 Schilling

Hintergrund der Bluttat dürfte eine finanzielle Auseinandersetzung zwischen zwei Familien sein. Der mittlerweile verstorbene Vater des Fleischhauers soll vor mehr als 20 Jahren an einem schweren Arbeitsunfall schuld gewesen sein, durch den das spätere Mordopfer gehbehindert wurde. Nach dem Tod des Vaters seien aus dem Unfall resultierende Forderungen auf die Mutter des mutmaßlichen Täters übergegangen. Demnächst hätte diese 800.000 Schilling (58.000 Euro) zahlen sollen. Details der finanziellen Streitigkeiten kann die Exekutive erst nach Aufarbeitung der entsprechenden Unterlagen klären.

Rettendes Versteck

Eine zufällig anwesende Freundin der Tochter konnte sich gerade noch in einem anderen Zimmer verstecken und entkam so. Sie und die anderen Bewohner des Mehrfamilienhauses - Eltern, Schwiegereltern und weitere Verwandte der Opfer - werden psychologisch betreut. Die zweite Tochter des erstochenen Ehepaares befand sich auf einer Auslandsreise und wurde über Interpol verständigt.

Nach Ansicht der Kriminalisten dürfte der 21-Jährige den Mord geplant haben, um die Geldforderungen an seine Mutter aus der Welt zu schaffen. Die Tatwaffe hatte er selbst mitgebracht. Die Mutter des Fleischhauers dürfte vom Vorhaben ihres Sohnes nichts gewusst haben.

Angehörige aus Klinikaufenthalt entlassen

Die vier Familienmitglieder und eine Freundin, die Dienstag Abend mit der brutalen Ermordung ihrer Angehörigen beziehungsweise Freunde in Seeham (Flachgau) konfrontiert waren, konnten mittlerweile aus der Christian-Doppler-Klinik in Salzburg entlassen werden. Am Tatort habe es "fürchterlich ausgeschaut", weshalb die Angehörigen und die Freundin der ermordeten Familie noch in der selben Nacht stationär aufgenommen wurden, schildert Reinhold Fartacek, Leiter der Krisenintervention, die Ausgangssituation der psychologischen Betreuung.

Schockphase

Noch seien die Betroffenen mitten in der Schockphase und nicht sehr zugänglich für Reflexion und Trauerarbeit: "Das Entsetzen über das Grauenvolle dominiert", so der Arzt. Mit ihrer Entlassung aus der stationären würden die Fünf dennoch nicht aus der Betreuung fallen: "Wir knüpfen hier den Kontakt mit den Hausärzten. Es ist wichtig, dass ein Angehöriger weiß, wo kann ich mich rühren, wenn ich das nicht mehr aushalte."

Todesangst

Eine spezielle Situation durchlebt jene 17-Jährige, die sich während der Bluttat in der Wohnung der Familie aufhielt und dem Massaker möglicherweise nur deshalb entkam, weil sie der Mörder nicht entdeckt hat. Zum einen muss das Mädchen den Verlust der besten Freundin hinnehmen, zum anderen verkraften, dass sie selbst in massiver Gefahr schwebte: "Das Mädchen war in unmittelbarer Lebensgefahr, es war von allen am meisten geschockt und von Angst geschüttelt", berichtet Fartacek. Die 17-Jährige habe definitiv Todesangst gehabt.

Gerade den letzteren Bereich werde man bei dem Mädchen "auch längerfristig im Auge behalten", um gegebenenfalls therapeutisch einzugreifen, betont Fartacek. Posttraumatische Belastungen könnten mit starker zeitlicher Verzögerung auftreten und massiv die Lebensqualität des Betroffenen beeinträchtigen. Noch könne die 17-Jährige darüber nicht reden, doch verfüge sie über den unschätzbaren Vorteil eines guten familiären Netzes. (red/neu, DER STANDARD Print-Ausgabe 23.August 2001)

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