22.8.2001:
Künstlerhaus: Kulturpolitik-Völkerball

25. August 2003, 14:14
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Eines der Lieblingsspiele österreichischer Politiker ist eine Variante des Völkerballs: Man versucht, so weit wie möglich vom Ball entfernt zu sein, um von ihm ja nicht gestreift oder getroffen werden zu können. Sollte man aber einmal in Ballbesitz gekommen sein müssen, trachtet man, den Ball so schnell wie möglich wieder loszuwerden. Mitunter nimmt dabei der Ball, weil er wie eine "heiße Kartoffel" fallen gelassen wird, auch Schaden. Dies wird aber in der Regel nicht geahndet.

Eine Meisterschaft in dieser Völkerballvariante trägt man derzeit mit dem Ball namens "Künstlerhaus" aus: Die Kulturministerin will ihn nicht, der Kunststaatssekretär will ihn nicht wirklich, und der Kulturstadtrat will ihn nur, wenn ihn die anderen beiden auch wollen. Alle drei haben gute Gründe, warum sie das Künstlerhaus nicht oder nicht höher subventionieren können. Die Kulturministerin sagt, sie braucht das Geld für die Museen. Der rote Kulturstadtrat sagt, er könne nicht all das auffangen, was der schwarze Kunststaatssekretär fallen lässt.

Alle drei haben irgendwie Recht. Die Kulturministerin ist zuständig für die Museen, aber nicht für die Förderung privater Vereine. Der Kunststaatssekretär ist zwar zuständig, will aber lieber Programme fördern und nicht teure Strukturen. Und wie dessen budgetärer Spielraum ist auch jener des Kulturstadtrates ziemlich eng. Also werden primitive Spielchen gespielt.

Doch dafür sollte das Künstlerhaus, das ein international beachtetes Quartier der Jungen wurde, zu schade sein. Kreativität, das Lieblingswort des Kunststaatssekretärs, wäre gefragt. Ein Beispiel: Falls das Gehalt des städtischen Musical-Impresarios wirklich um drei Millionen Schilling gekürzt wurde, brauchen die hochsubventionierten Vereinigten Bühnen Wien um diesen Betrag weniger Geld. Das wäre doch schon ein Anfang. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22. August 2001)

Von Thomas Trenkler
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