Der Ausdruck "Bulle" für Polizist ist keineswegs beleidigend ...

22. August 2001, 21:33
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Deutsche Forscher korrigieren Irrtümer bei bildhaften Begriffen

Münster/Hannover - Der Ausdruck Bulle für Polizist ist keineswegs beleidigend. Der Begriff bezeichnet von seinem niederländischen Ursprung her - im Gegenteil - einen klugen Kopf. Schick kommt nicht aus dem Französischen, sondern aus dem Deutschen des 15. Jahrhunderts. Die Franzosen haben den Begriff nur übernommen und erweitert: Aus "tout chic" (ganz schick) wurde todschick.

Mit solchen und rund 300 anderen "populären" Sprachirrtümern haben die Universitätsprofessoren Walter Krämer (Dortmund) und Wolfgang Sauer (Hannover) in einem soeben im Frankfurter Eichborn Verlag erschienenen Panoptikum aufgeräumt.

Anlass für das Lexikon sei der "Reichtum der deutschen Sprache an Verdrehern, falschen Übersetzungen und historischen Denkfehlern" gewesen, erläuterte Krämer in Münster. Es soll auch dazu beitragen, falsche Sprachbilder und ungewollte Beleidigungen zu vermeiden. Der 53-jährige Krämer ist Gründer des Vereins Deutsche Sprache. Sprachwissenschafter Sauer (56) beweist in dem Nachschlagwerk, dass sich auch große Geister mit kleinen Dingen abgegeben haben. So äußert sich Goethe über Schlittschuhe, Heine zu Käse und Hebel zur Bratwurst.

Kalau ist nirgendwo

Um beim Essen zu bleiben: "Der Bückling ist kein Fisch, der sich oft bückt", kalauert Krämer (wobei dieser Ausdruck nicht aus Calau stammt, sondern sich aus dem französischen "calembour" - Wortspiel - herleitet). Der Räucherhering habe seinen Namen vom niederländischen "bück" (Bock), "weil der Bückling von seiner Geruchsintensität her dem Bock ähnelt".

Verballhornen wiederum kommt keineswegs von Bällen oder Hörnern. Es geht auf den Lübecker Buchdrucker Johann Ballhorn zurück. Der hatte 1856 eine äußerst fehlerhafte Ausgabe des Lübecker Rechts gedruckt.

Für die Herkunft der Zeitungsente haben die Wissenschafter übrigens mehrere mögliche Erklärungen. Am wahrscheinlich ist, dass das Wort von alten n.t.-Stempeln stammt. n.t. stand für "non testatum", nicht geprüft.(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22. 8. 2001)

Walter Krämer, Wolfgang Sauer: Lexikon der populären Sprachirrtümer, Eichborn Verlag
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