Slowakischer Regierungschef warnt vor "Okkupation von innen"

21. August 2001, 18:16
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Mikulas Dzurina sieht am Jahrestag des sowjetischen Einmarschs weiter Gefahren für sein Land

Preßburg - Der Slowakei drohe heute keine Gefahr mehr vom Ausland, der Beitritt zur Gemeinschaft demokratischer Staaten werde jedoch durch Kräfte im Inland gefährdet, warnte Ministerpräsident Mikulas Dzurinda am Dienstag anlässlich des Jahrestages der Invasion der Tschechoslowakei durch die Truppen des Warschauer Paktes am 21. August 1968. In einer Anspielung an die drohende Auflösung der Regierungskoalition rief Dzurinda seine Landsleute dazu auf, die "Okkupation des Landes von innen" zu verhindern.

Wie in den vergangenen Jahren beging die Slowakei auch heuer die Ereignisse von 1968 mit Versammlungen vor dem Grabmal des tschechoslowakischen KP-Chefs des "Prager Frühlings", Alexander Dubcek, in Preßburg, mit Fernsehdokumentation und politischen Reden. Ex-Ministerpräsident Vladimir Meciar von der oppositionellen "Bewegung für eine Demokratische Slowakei" (HZDS) erklärte, dass die Unabhängigkeit der Slowakei im Jahr 1993, bei der seine Partei eine entscheidende Rolle gespielt habe, die besten Chancen für die slowakische Bevölkerung biete.

In allen slowakischen Tageszeitungen erschienen Artikeln und Interviews, die im Zusammenhang mit dem Jahrestag stehen. Zudem wurden Artikel der Befürworter und Gegner eines NATO-Beitritts veröffentlicht, wobei beide Seiten die Ereignisse von 1968 für ihre Argumentation heranzogen.

In der Nacht vom 20. auf den 21. August 1968 waren die Armeen von fünf Staaten des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei eingerückt, um den "Prager Frühling" unter der Führung des Slowaken Dubcek zu beenden und die "sozialistische Ordnung" wieder herzustellen. Nur wenige sind sich dessen bewusst, dass Vasil Bilak, der als kommunistischer Spitzenfunktionär mit anderen Dubcek-Gegnern eine moskauhörige neue Führung gebildet hatte, heute als Pensionist in Preßburg lebt. Die Untersuchungen im Fall Bilak ziehen sich bereits seit den frühen 90er Jahren hin. (APA/CTK)

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