Zusammenspiel auf dem Sand

21. August 2001, 18:24
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Beachvolleyball-WM: Klagenfurts Nachbarn verschliefen Chance auf Zusatzumsatz

Wien/Klagenfurt - "Aus ökonomischer Sicht war die Beachvolleyball-WM in Klagenfurt ein voller Erfolg", fasste Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer eine Umwegrentabilitätsstudie über das viel beachtete und auch viel diskutierte Sportevent Anfang August am Wörthersee zusammen. Auftraggeber der Studie: WM-Veranstalter ACTS - die Firma von Eventspezialist Hannes Jagerhofer.

Bachmayers Rechnung, die am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien präsentiert wurde: 82 Millionen Schilling (sechs Mio. EURO) habe die WM in Kärnten an Mehrumsätzen verursacht, 70 Mio. S davon seien durch Besucher von außerhalb beigetragen worden. Werden davon Vorleistungen, Kosten wie Wareneinsatz und Personal sowie Steuern abgezogen, seien dem Land Kärnten 28 Mio. S an Nettowertschöpfung dank der Beachvolleyball-Weltmeisterschaft verblieben.

Gute Ratschläge

Doch der Marktforscher hat auch Kritik anzusetzen, nicht an der WM selbst, sondern an der mangelnden Kooperation zwischen den einzelnen Tourismusregionen in Kärnten. Denn der Raum Klagenfurt sei an den Tagen der WM "bis auf die letzte Badewanne" ausgebucht gewesen, so Bachmayer. Seine Befragung habe ergeben, dass ein relativ hoher Anteil der Besucher - fast 20 Prozent - "unentgeltlich" übernachtet habe; freiwillig bei Freunden oder unfreiwillig "im Auto oder auf einer Wiese im Schlafsack".

Manche seien bis nach Slowenien ausgewichen bei ihrer Quartiersuche. Mehrere Tausend Anfragen hätten nicht befriedigt werden können, so berichteten Tourismusmanager im Raum Klagenfurt dem Marktforscher. Aus anderen Regionen hört man hingegen: "Kaum direkte Buchungen wegen der WM." Bachmayers Rat daher fürs kommende Jahr: "Die Regionen sollten besser kooperieren."

Werner Bilgram, Chef der Organisation Kärnten Tourismus, sagt auf STANDARD-Anfrage: "Die Beachvolleyball-WM findet zur Topspitze der Hochsaison statt. Da sind die nachgefragten Betten - drei Sterne plus - eben ausgebucht, vor allem in Klagenfurt und der Wörthersee-Region. In den ersten beiden Juliwochen gab es zwar punktuelle Einbrüche in einigen Regionen, jedoch sind die nicht auf die WM zurückzuführen." Von einem Einbruch der Nächtigungszahlen abseits des Wörthersees, wie in inoffiziellen Aussagen manchmal kolportiert, sei jedenfalls keine Rede. Wenn im September dann die Daten für den August vorliegen, werde dies zu belegen sein, so Bilgram.

Plus

Laut Maria Wilhelm, Regionalmanagerin der Region Millstätter See, sei das Gegenteil der Fall - zeichne sich doch ein Plus für die Sommersaison am Millstätter See ab. Gerhard Angerer von der Villach / Faaker See / Ossiacher See Tourismus GmbH und sein Kollege Kurt Genser von der Naturarena Kärnten können von einem negativen Ergebnis in ihren Regionen ebenfalls nicht berichten.

Aber: Alle befragten Regionalmanager bestätigen, dass bei ihnen seitens der Beachvolleyball-Organisatoren nicht nachgefragt wurde, ob freie Kapazitäten verfügbar gewesen wären. Das findet Bilgram "merkwürdig", da andererseits nach Slowenien und in die Steiermark ausgewichen wurde.

"Kein besonders großes Nächtigungsplus"

Gerhard Tilly, Pressesprecher der Wörthersee Tourismus GmbH, sagt, dass es im Zuge der Events rund um den See zu keinem besonders großen Nächtigungsplus gekommen sei: "Das Problem ist, dass diese Veranstaltungen in der Hochsaison stattfinden, wo gute Häuser ohnehin ausgebucht sind." Er bestätigt, dass einige Sponsoren dadurch keine freien Zimmer mehr ergattern konnten.

Für Hannes Jagerhofer jedenfalls stellt sich die Frage einer Verlegung in die Nebensaison nicht, der Termin für August 2002 sei schon reserviert. Er hofft jetzt darauf, dass das Klagenfurter Event bei der Oktobersitzung des Weltverbandes der Beachvolleyballer im kommenden Jahr als "inoffizielle WM", zumindest als Grand-Slam-Turnier eingestuft wird. (horn, szem, DER STANDARD, Printausgabe 22.8.2001)

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