Politischer HipHop "Made in Germany"

5. November 2001, 21:31
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Afrob im Interview

Setzte sich die afrodeutsche Rap-Front früher hauptsächlich mit großkotzigem, machistischem Gehabe (Hauptvertreter Samy Deluxe, D-Flame) in Szene, liefern die Musiker nun verstärkt unmissverständliche Statements gegen den zunehmenden Rassismus. Sie thematisieren immer mehr, was "Deutsch-sein" mit dunkler Hautfarbe und/oder keinem deutschem Pass heißt.

Im Projekt "Brothers Keepers" machen Samy Deluxe, D-Falme, Afrob, Denyo 77, Sekou, Ono, G.E.R.M., Tyron Ricketts, Ebony Prince, Chima Alberto mit Xavier Naidoo mit der Single "Adriano (Letzte Warnung)" gemeinsam gegen Neonazis und rechten Alltagsterror mobil. (Adriano aus Mosambik wurde am 11. Juni 2000 in Dessau von drei Skinheads zu Tode geprügelt. – Die Einnahmen gehen an Opfer und Hinterbliebene von Gewalt.)


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Der 23-jährige Afrob, geboren in Italien, aufgewachsen in Braunschweig und Karlsruhe, umgezogen nach Stuttgart, präsentierte im Sommer gleich ein ganzes Album zum Thema "Made in Germany" – "Ich, als Neger in Deutschland" - und macht damit klar, wie negativ und respektlos mensch in Deutschland der dunklen Hautfarbe gegenüber steht. (Auf dem Track "Öffne die Augen" rappt er mit D-Flame "es ist so weit gekommen dass sogar weiße nigger sagen...")

"Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn ein Neger in Deutschland anfängt, gesellschaftskritische Sachen von sich zu geben, weil er gesellschaftskritisch ist - od. angesehen wird. Risikofaktor!", so Afrob im Gespräch mit derStandard.at. Und das hört mensch auf dem ganzen Album.

Etwa auf dem Track "Kuckt ma‘ wer da rollt", wo es mitunter heißt: "Ich erlebte 23 jahre was man so erlebt ein neger tiefschwarz es brennt und hat mich geprägt isoliert und ausgegrenzt focussiert und aufgehängt keine quoten neger aber multikulti aufgezwängt wir passen in kein rasta wolln kein auferlegtes laster"

Oder in "Wenn ich": "Wir kamen in das land und wir baten um asyl/wir durften sogar bleiben nur geduldet dass war das kalkül/" - "das geht raus an alle schwarzafrikaner halt dich nicht für minder denke nicht es wär dein karma deshalb halt ich meinen kopf immer oben"

Mit dem Albumtitel "Made in Germany" entzieht er den Deutschen sozusagen ihr Allerheiligstes. Das deutsche "Gütesiegel" steht für das, was Nationalismus mit/und aus ihrern BewohnerInnen macht. "Natürlich ist das auch provozierend. Du müsstest mal hören, wie stolz die alle auf ihr "Made in Germany" sind." Aber auch der Schwarzafrikaner Afrob ist "Made in Germany". "Das Land hat mich geformt. Ich wär nie der, der ich bin, wenn ich nicht in Deutschland aufgewachsen wäre."

Afrob, der Spirituelle mit großer Goldkreuz-Kette, für den das Internet das neue Babylon darstellt: "Die sind ja alle sick, haben keine Werte, laden ihren ganzen seelischen Müll ab. Das ganze Internet ist voller Müll." Afrob der coole Rapper und bekennende Protestant, der, wenn er die spezielle "Friedenszigarette" anbietet, zu missionieren beginnt. "Ich bin ein spiritueller Typ. Glaubst du an Gott?"

(d_an - 21.8.2001)

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