Schröder sieht Tschechien bis 2004 in der Union

21. August 2001, 17:33
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Beitritt hängt für deutschen Kanzler nicht von Temelin- Abschaltung ab

Prag - Bei einem Kurzbesuch in Tschechien hat der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder Prag indirekt eine Aufnahme in die EU bis 2004 in Aussicht gestellt. Bei Skoda in Mlada Boleslav (Jungbunzlau) würdigte er die VW-Tochter als "europäisches Erfolgsmodell". Bei einem anschließenden Treffen mit seinem tschechischen Amtskollegen Milos Zeman auf Schloss Sychrov in Böhmen sagte Schröder, eine Teilnahme Tschechiens an den EU-Wahlen 2004 sei in deutschem Interesse.

Die Unterstützung Berlins für den EU-Beitritt Tschechiens werde nicht vom Abschalten des südböhmischen Atomkraftwerks Temelin abhängig gemacht werden, meldete die Prager Nachrichtenagentur CTK. Schröder habe aber die deutsche Kritik an der Anlage wiederholt.

Skoda gutes Beispiel

Bei Skoda sagte Schröder, das Werk sei ein gutes Beispiel für die wichtigen Verflechtungen zwischen Unternehmen aus Kandidatenländern und EU-Mitgliedsstaaten. Je enger diese Verflechtungen seien, umso milder werde der Beitrittsschock, betonte der deutsche Kanzler.

Er hatte im Rahmen seiner Sommerreise durch Ostdeutschland einen Abstecher nach Böhmen gemacht. Hauptthema der Reise ist die EU-Erweiterung. In Ostdeutschland gibt es Ängste wegen eines möglichen Verdrängungswettbewerbs und wegen Lohndumpings. Schröder bezeichnete den EU-Beitritt Polens und Tschechiens dagegen als "Riesenchance".

Hochrangiger Besuch in Mlada Boleslav

Auch der tschechische Industrieminister Miroslav Gregr und VW-Chef Ferdinand Piech waren nach Mlada Boleslav gekommen. VW war 1991 bei Skoda eingestiegen. Das Werk in Böhmen hat 26 000 Arbeiter.

Schröder sagte, Skoda sei nicht nur wirtschaftlich ein deutsch-tschechischer Erfolg, sondern auch zwischenmenschlich. Er traf auch mit Vertretern von Gewerkschaften und deutschen Zulieferbetrieben zusammen. Skoda bezieht von dort viele Teile und sichert damit nach eigenen Angaben auch Arbeitsplätze in Deutschland.

Am Nachmittag besuchte Schröder den "Bau der Versöhnung" in Liberec (Reichenberg), eine deutsch-tschechische Bücherei mit jüdischem Gebetsraum. Am Abend wurde der Kanzler in Sachsen erwartet. (APA/dpa)

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