Feitl: "AUA-Probleme sind größer als bekannt"

22. August 2001, 12:33
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Ex-Tyrolean-Chef hielt sich für den AUA-Chefsessel bereit - Jetzt zieht er verwundert Bilanz

Standard: Sie galten lange als künftiger AUA-Chef. Jetzt wurden sie nicht einmal zum Hearing am kommenden Montag eingeladen. Sind Sie verbittert?

Fritz Feitl: Nicht verbittert, nur verwundert, dass man meine Kenntnisse und Erfahrung offensichtlich nicht benötigt. Ich war 37 Jahre für die AUA und Tyrolean tätig. Ich könnte am nächsten Tag anfangen, den Konzern wieder auf Kurs zu fliegen.

Standard: Mittwoch sollen tiefrote Halbjahreszahlen veröffentlicht werden. Wie groß sind die AUA-Probleme?

Feitl: Ich will mich nicht dem Risiko aussetzen, vom AUA- Vorstand geklagt zu werden. Meine feste Meinung ist aber, dass die AUA ein Sanierungsfall ist und dass die Probleme wesentlich größer sind, als bekannt. Die Ergebnisverschlechterung ist nur ein Teil des Problems.

Standard: Was kommt denn noch dazu?

Feitl: Wenn keine Vergleiche zu anderen Bilanzierungsmethoden, wenn keine Vergleiche zu den bisherigen Einzelbilanzen von Tyrolean und Lauda geboten werden, spricht das für sich.

Standard: Was ist bei der AUA vordringlich zu tun?

Feitl: Ich gebe keine Ratschläge über die Medien. Das ausschließliche Ziel muss sein, das bestmögliche Team für die Sanierung der AUA zu finden. Das ist ja kein normaler Vorstandswechsel.

Standard: Man wirft Ihnen angeblich die Millionen-Abfertigung bei Tyrolean vor.

Feitl: Das ist lächerlich und war eine vertragliche einwandfrei Ablöse meines Pensionsvertrages. Das ist eine Scheinargumentation. In Wirklichkeit beeinflusst die Haltung des Betriebsrates einzelne Aufsichtsratsmitglieder.

Standard: Was sagen Sie zu zu den kolportierten Kandidaten Sörensen, Draxler & Co?

Feitl: Ohne die Qualifikation der Herren in Zweifel zu ziehen, aber jeder branchen- und firmenfremde Manager braucht Einarbeitungszeit bis er den Konzern und das schlüpfrige Wiener Parkett kennt. Und Zeit tut Not.

Standard: Haben Sie sich für den Job offiziell beworben?

Feitl: Ich glaube, dass man bei solchen Positionen im Vorfeld zu Gesprächen eingeladen wird. Weil das nicht passiert ist, bewarb ich mich nicht.

Standard: Sie bleiben also Pensionist?

Feitl: Mein Ruhestand ist kein dauerhafter. Ich habe bisher alle Offerte abgelehnt oder auf die lange Bank geschoben. Jetzt muss ich davon ausgehen, dass man meine Dienste bei der AUA nicht benötigt. (Michael Bachner, DER STANDARD, Printausgabe 22.8.2001)

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