Die Nadel im Menschenhaufen

21. August 2001, 17:02
posten

Ein Schweizer Produkt beflügelt Kontakt unter Kongressteilnehmern

Lausanne/Wien - Konferenzen sollen Menschen zu Gesprächen zusammenbringen. Paradoxerweise ist es jedoch bei großen Veranstaltungen schwierig, gezielt mit anderen Teilnehmern in Kontakt zu treten. Wie findet man in einem Haufen von Hunderten Menschen diejenigen, mit denen man gemeinsame Interessen hat, oder erkennt Kollegen, die man bisher nur per Telefon oder E-Mail kannte?

Interaktives Namensschild

Für diese Situation hat das kleine Schweizer Start-up-Unternehmen shockfish eine Art interaktive Version des meist wenig hilfreichen Namensschildes entwickelt. Ein 11,5 mal 6,2 cm großer Organizer - "spotme" - hilft Teilnehmer von Networking-Events bei der Kontaktaufnahme durch elektronische Visitkarten, die über spotme abgerufen werden können. Bei der Suche nach den Menschen hinter der "Visitkarte" zeigt spotme, wer sich in welcher Nähe vom eigenen Standort aufhält, oder signalisiert durch ein dezentes Brummen, dass eine gesuchte Person gerade an einem vorbeigeht. So wie drahtlose Übersetzungsgeräte die Sprachbarriere überwinden, soll spotme nach Vorstellung seiner (jungen) Entwickler die sozialen Barrieren bei großen Events beseitigen helfen.

Mobile Funkinfrastruktur

Hinter dem Endgerät, das am Anzug oder Kostüm angeklippt werden kann, steht eine Datenbank der Konferenzteilnehmer, die auf einem mobilen Server gespeichert ist, sowie eine mobile Funkinfrastruktur, die dem spotme-Organizer den Zugang zu dieser Datenbank am Konferenzort ermöglicht. Mithilfe einer Fotostation werden die Teilnehmer bei der Registrierung erfasst.

Spotme kann auch aktiv zur Kontaktaufnahme genutzt werden, indem man anderen Nachrichten - ähnlich wie mit dem Handy - zusenden kann. Spotme kann das Programm der Tagung enthalten, auf den Beginn von Veranstaltungen oder Änderungen hinweisen, Umfragen durchführen oder für Teilnehmer eine personalisierte Dokumentation zusammenstellen.

Kommerzieller Einsatz

Nach einem Probelauf Anfang des Jahres konnten die Hersteller ihr Produkt bisher bei drei Veranstaltungen kommerziell einsetzen, darunter beim renommierten SC-Management-Symposium in St. Gallen für rund 1000 Manager und Studenten. Im Oktober sollen 700 Teilnehmer des Bertelsmann-Top-Mana 4. Spalte gement-Meetings in Berlin einander dank spotme "spotten" (finden) können, erklärte Katia Jennings dem _Standard.

Selbst Liebhaber digitalen Spielzeugs werden spotme nicht billig finden: Ein komplettes Set mit 200 Endgeräten kostet rund 170.000 Euro (2,34 Millionen Schilling). Das System kann auch gemietet werden: Für eine dreitägige Konferenz etwa mit 700 Personen fallen Kosten von rund 400 Schilling pro Person an. (Helmut Spudich, DER STANDARD, Printausgabe 22.8.2001)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.