EU-Krisenintervention ohne Eurokorps

21. August 2001, 17:42
1 Posting

Die Truppe ist im Umbau und nimmt daher in Mazedonien nicht teil - Stattdessen wird brav geübt

Straßburg/Wien - Die EU engagiert sich in Mazedonien seit Monaten politisch an vorderster Front. Doch nun, da es ans Waffensammeln geht, springt die Nato in die Bresche. Da wird die Frage laut: Warum ist das Eurokorps nicht dabei?

"Es ist nicht so, dass wir in Mazedonien nicht teilnehmen könnten", betont Kommandant Pardo de Santayana, der spanische Sprecher des Straßburger Eurokorps gegenüber dem Standard. Zur Bekräftigung weist er darauf hin, dass Einheiten des Korps im vergangenen Jahr auch im Kosovo stationiert waren. Sechs Monate lang leiteten die Eurokorps-Kommandeure den Kfor-Einsatz vor Ort. Trotz aller Krisenerfahrung: "Die Einsatzentscheidung ist eine politische", stellt de Santayana fest. Niemand hat aber bisher Eurokorps-Truppen für Mazedonien angefordert.

Militärische Kooperation

Dabei stehen sie der Europäischen Union - und auch der Nato - durchaus zur Verfügung, obwohl das Korps keine EU-Armee, sondern Produkt einer zwischenstaatlichen militärischen Kooperation von Deutschland, Frankreich, Spanien, Belgien und Luxemburg ist.

65.000 Soldaten

Das Korps, 1992 gegründet, geht auf die 1989 eingerichtete Deutsch-Französische Brigade zurück, der sich dann später die anderen drei Länder anschlossen. Permanent tätig sind nur der Führungsstab im Straßburger Hauptquartier und die Deutsch-Französische Brigade - insgesamt etwa 1000 Militärs. Auf Abruf bereit halten die fünf Eurokorps-Staaten rund 65.000 Soldaten. Diese dürften auch zum Kern der EU-Eingreiftruppe werden, die für 2003 geplant ist.

Gegenseitige Beistandsverpflichtung

Hier liegt denn auch einer der Gründe, aus denen das Korps zurzeit nicht für den Mazedonien-Einsatz herangezogen wird: Es befindet sich mitten im Umbau. "Bisher waren wir als Armee zur Territorialverteidigung konzipiert", erläutert de Santayana - es ging also in erster Linie um die gegenseitigen Beistandsverpflichtungen der Teilnehmerstaaten. "Seit Juni strukturieren wir uns zu einer schnellen Kriseninterventionstruppe um", so de Santayana. Dazu bedarf es beweglicher, gut ausgerüsteter Verbände und einer ganz anderen Taktik - Dinge, die Zeit brauchen.

Manöver Cobra

Anders als der Mazedonien-Einsatz, bei dem nach Wunsch der Nato alles sehr rasch vonstatten gehen soll. Die Engagements des Eurokorps im Kosovo oder auch 1998 in Bosnien-Herzegowina waren da etwas anderes: "Dort stand schon vor unserer Stationierung eine Militärinfrastruktur", sagt de Santayana.

Wenn es auch mit einem Engagement in Mazedonien nichts wird: Die Eurokorps-Einheiten werden sich zumindest im November beim Manöver "Cobra" in Andalusien fit halten. Zusammen mit ihren Kameraden von Eurofor und Euromarfor, den gemeinsamen Heeres- und See-Einheiten von Spanien, Frankreich, Italien und Portugal. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 22.8.2001)

Von Jörg Wojahn

LINK

Eurocorps

Share if you care.