Bayer will Bericht zu Lipobay im September abliefern

22. August 2001, 18:18
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Erste Klage in Spanien

Berlin/Leverkusen - Der Pharmahersteller Bayer will bis Ende September einen umfassenden Nutzen-Risiko-Bericht zu seinem Cholesterin-Senker Lipobay erstellen. Das Papier soll an die britische Gesundheitsbehörde MCA gehen, die bei der EU-weiten Zulassung des Medikamentes 1997 federführend war, sagte ein Bayer-Sprecher am Mittwoch der dpa. Gegen den Pharma-Konzern ist nach den USA nun auch in Spanien eine erste Klage im Zusammenhang mit dem vor zwei Wochen vom Markt genommenen Medikament eingereicht worden. Manche deutsche Mediziner bezweifeln unterdessen, dass Lipobay risikoreicher ist als andere potente Arzneien.

In den Bericht an die MCA sollen laut Bayer (Leverkusen) auch bisher nicht an die breite Öffentlichkeit gelangte Daten einer großen amerikanischen Untersuchung einfließen, die der MCA allerdings schon seit Mitte Juni vorliegen. Es handelt sich um eine Analyse aus den USA. Dort wurden Daten von 133.000 Patienten ausgewertet, die mit verschiedenen Lipidsenkern behandelt wurden.

Die schwere Nebenwirkung Muskelschwäche (Rhabomyolyse) unter Baycol, wie Lipobay in den USA hieß, sei in Kombination mit Gemfibrozil "deutlich höher" gewesen als in Kombinationen anderer Statine mit Gemfibrozil, sagte Bayer-Sprecher Michael Diehl. Genaue Zahlen wollte er unter Hinweis auf den noch zu schreibenden Bericht nicht nennen.

Sehr wenig Tote

Nach Ansicht des Pharmakologen Prof. Jürgen Frölich von der Medizinischen Hochschule Hannover hätte der Bayer-Konzern den umstrittenen Cholesterin-Senker nicht vom Markt nehmen sollen. 52 mutmaßliche Tote im Zusammenhang mit Lipobay seien im Verhältnis zu den sechs Millionen Behandelten "sehr wenig", sagte Frölich am Mittwoch der dpa. Die Aufregung um Lipobay sei "ein Sturm im Wasserglas".

"Ich glaube nicht, dass die Todesfälle eine substanzabhängige Nebenwirkung sind", meinte Prof. Ulrich Klotz von der Universität Stuttgart. Das Problem liege eher in der ungünstigen Wechselwirkung mit dem Wirkstoff Gemfibrozil, vor der die Ärzte gewarnt worden waren. Die in Berlin ansässige Stiftung Warentest hatte den CSE-Hemmern in der kürzlich erschienen Neuauflage ihres "Handbuch Medikamente" eine hohe Wirksamkeit bescheinigt. Sie würden die Häufigkeit von Herzinfarkten senken und die Lebenserwartung erhöhen.

Italien erwägt Klage

Kläger gegen den Cholesterin-Senker Lipobay sind in Spanien laut einem Bericht der Tagezeitung "El Pais" (Mittwochausgabe) die Angehörigen einer Frau aus dem nordspanischen Saragossa. Sie sei am 28. Juli in einem Krankenhaus an Nierenversagen gestorben. In Italien erwägt die Justiz Fernsehberichten zufolge eine Klage wegen Körperverletzung gegen den Bayer-Konzern. In Deutschland prüft die Kassenärztliche Bundesvereinigung, ob Entschädigungsklagen gegen Bayer möglich sind. (APA/dpa)

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