Salzburger AK schlägt wegen Preiserhöhungen Alarm

21. August 2001, 15:40
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Offener Brief an Wirtschaftsminister Bartenstein - Auch Tiroler AK findet Unregelmäßigkeiten

Wien - Die Arbeiterkammer Salzburg schlägt Alarm wegen versteckter Preiserhöhungen und inkorrekten Rundungen im Vorfeld der Eurobargeld-Umstellung: In einem offenen Brief fordern die Konsumentenschützer der AK Salzburg Wirtschaftsminister Martin Bartenstein auf, mit Hilfe der Euro-Preiskommission tätig zu werden. Die Wirtschaftskammer weist die Vorwürfe als "lächerliche Groscherlfuchserei" und "Stimmungsmache" zurück.

Laut Arbeiterkammer sind runde, glatte Europreise auf Speisekarten und Preisschildern generell ein Indiz für einen vorangegangene Preiserhöhung. Obwohl Preisvergleiche durch - gerechtfertigte - Preiserhöhungen bei Lebensmitteln erschwert würden, stehe fest, dass "sowohl Letztverkäufer wie auch Lieferanten und Hersteller die Eurobargeldumstellung für zum Teil enorme Preiserhöhungen ausgenutzt haben", so die AK Salzburg.

Untersuchung in 12 Salzburger Gastronomiebetrieben

Als Beispiel zitiert die AK ihre eigene Untersuchung in 12 Salzburger Gastronomiebetrieben: Insgesamt seien die Getränkepreise innerhalb eines Jahres trotz Steuererleichterungen um 5,1 Prozent gestiegen. Alkoholische Getränke wurden in diesem Zeitraum um 7,4 Prozent teurer, alkoholfreie im Schnitt um 2 Prozent.

Jüngste Beispiele zeigen laut AK jedoch noch andere Praktiken: So habe das Textilgeschäft im Salzburger Europark auf der Rechnung einen "Rundungsausgleich" von 33 Groschen ausgewiesen, um auf den runden Gesamtbetrag von 2.890 S zu kommen. Die AK erstattet Anzeige. Kritisiert wird auch eine mehr als 20-prozentig Preiserhöhung bei einem Herrenunterhemd von Palmers von 79 S (5,70 Euro) auf 95 S (6,90 Euro), sowie bei einer Autowaschstraße in Salzburg, die die Autowäsche von 60 (4,36 Euro) auf 70 S (5 Euro) erhöhte. Auch die Preiserhöhung der Sonntagsausgaben von "Kurier" und "Krone" von 10 S (0,73) auf 11 S (0,80) ist den Konsumentenschützern ein Dorn im Auge.

Auch Tiroler finden Unregelmäßigkeiten

Kuriose Schillingbeträge und satte Preiserhöhungen mit 'gnädiger' Euro-Abrundung" hat auch die Tiroler Arbeiterkammer beim Test von 22 Gastronomiebetrieben entdeckt. Wer die Euro-Umstellung zu nicht gerechtfertigten Preiserhöhungen nutze, beim Aufrunden oder Umrechnen schummle, müsse in Zukunft damit rechnen, von der AK Tirol schonungslos öffentlich geoutet zu werden. AK-Präsident Fritz Dinkhauser appellierte an die Wirtschaft, durch geeignete Selbstkontrollen schwarzen Schafen keine Chance zu geben.

"Stimmungsmache gegen die Wirtschaft"

Die Wirtschaftskammer weist die Vorwürfe als "Stimmungsmache gegen die Wirtschaft" zurück. Wie unfair die AK vorgehe, zeige etwa das Beispiel Palmers: Nach Auskunft der Konzernzentrale in Wien sei das Herrenunterhemd das einzige von tausenden Produkten, das erhöht worden sei. 25.000 Produkte seien verbilligt worden. Auch der Vorwurf gegen die Autowaschstraße in Salzburg sei ungerechtfertigt und verzerre das Bild: Die 16,6-prozentige Preiserhöhung sei die erst seit 10 Jahren. Und die "EDV-bedingte" Aufrundung der Salzburger Boutique sei eingestellt worden.

Die AK-Konsumtenschutzabteilung erzeuge immer wieder in der Öffentlichkeit den fälschlichen Eindruck, die Preise dürften vor und während der Eurobargeldumstellung nicht angehoben werden", kritisiert Berendt und stellt die Frage, ob nicht mit solchen "Bagatellanzeigen" eine Behörde mutwillig in Anspruch genommen werde, was gemäß § 35 AVG strafbar sei.(APA)

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