Londoner Musterprozess um "Recht auf Sterbehilfe"

22. August 2001, 07:23
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Engländerin will vor Höchstgericht Recht auf Euthanasie einklagen

London - Eine todkranke Engländerin, die an allen Gliedmaßen gelähmt ist, will laut Kathpress vor Gericht das Recht auf Euthanasie einklagen. Die 47-jährige Diane Pretty leidet seit 1999 an einer degenerativen Nervenerkrankung.

"Unwürdiges und inhumanes Leben"

Pretty will ihren Ehemann um Hilfe zum Selbstmord bitten, ohne dass dieser anschließend juristisch belangt werden kann. Die Kranke beruft sich dabei auf die Europäische Menschenrechtskonvention, die eine "inhumane und unwürdige Behandlung" verbiete. Pretty empfindet ihr Leben als "unwürdig und inhuman". Von der englischen katholischen Bischofskonferenz wurde auf Anfrage auf die "allgemein bekannte und publizierte Meinung der Kirche zur Sterbehilfe" verwiesen.

Gesuch abgelehnt

In der vergangenen Woche hatte der britische Generalstaatsanwalt das Gesuch Prettys unter Hinweis auf die geltenden Gesetze abgelehnt. Jetzt soll der Fall dem Obersten Gericht vorgetragen werden. Der Prozess wird von der britischen Sterbehilfe-Lobby, insbesondere der "Voluntary Euthanasia Society", unterstützt.

Kranke kämpft für viele Leidende

Da in angelsächsischen Ländern der Richterspruch oft gesetzesschöpferisch wirkt, gilt der Anlass als bedeutungsvoll. Die "Voluntary Euthanasia Society" wies darauf hin, dass die Kranke nicht nur für sich kämpfe, sondern für alle Menschen in einer ähnlichen Situation eine Gesetzesänderung erzwingen wolle.

Kämpfender Ehemann

"Wir werden vor Gericht weiter streiten, und wir werden gegebenenfalls Berufung einlegen, denn meine Frau soll ihren letzten Wunsch erfüllt bekommen", sagte Ehemann Brian Pretty gegenüber der BBC. Auch die beiden erwachsenen Kinder unterstützten den Wunsch der Mutter nach Hilfe zum Selbstmord, da sie sich wegen ihrer Krankheit nicht selbst das Leben nehmen könne, "wie jeder andere Mensch". (APA)

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