"Wer macht die Kunst von morgen?"

22. August 2001, 00:32
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Dieser Frage widmet sich die Ars Electronica vom 1.-6. September

Wien - "Es zeichnet sich ab, dass die aktuelle zeitgenössische Kunst nicht das sein wird, was uns in Zukunft besonders interessiert": Kleine Kampfansagen des Ars-Electronica-Leiters Gerfried Stocker an "einen etwas überkommenen Avantgarde-Begriff" am Dienstag, bei einer Programmpräsentation in Wien weisen den Weg der diesjährigen Ars Electronica in Linz (1. bis 6. 9.). 275 KünstlerInnen und 36 Vortragende widmen sich in über 100 Projekten unter dem Motto "Takeover" der programmatischen Frage "Wer macht die Kunst von morgen?"

Große Veränderungen gibt es vor allem im Symposions-Bereich der Ars Electronica, der sich nicht mehr nur, wie bisher, über zwei Tage, sondern über die ganze Woche erstrecken wird. "Die Theorien für die zeitgenössische Kunst von morgen sind noch nicht geschrieben", daher werde vom traditionellen Symposions-Begriff mit Vorträgen bekannter TheoretikerInnen abgegangen und das Thema in einer "durchgehenden Diskursplattform" im Linzer Brucknerhaus erläutert, so Stocker.

"eher in Form von DJs"

Dabei sollen KünstlerInnen und PraktikerInnen zu Wort kommen, die neue Wege "außerhalb des Kunstbetriebes mit all seinen -ismen" beschreiten, so Christine Schöpf. Stocker ortet die Tradition, in der die Kunst der Zukunft stehen wird, "eher im musikalischen und darstellerischen Bereich als in der bildenden Kunst". Die Moderatoren des Symposions werden daher "eher in Form von DJs" arbeiten, die Beiträge zum Thema, gehalten von "Leuten aus den Neuen Medien, Designern, Wissenschaftern und Vertretern von Entertainment und Gaming-Industrie", sollen versuchen, "die aktuellen spannenden Bereiche" zu beleuchten. Das gewählte Thema sei "auch sehr vage", so Stocker, der auf "sehr kühne Formulierungen" hofft.

wer, wo, wie für wen"

Künstler- und Werkbegriff, Tradition und Theorie, die kategorischen Fragen nach dem "wer, wo, wie und für wen": "Die neuen Formen der Produktion, Distribution und Rezeption" führten "vor allem auch zu einer neuen Form des künstlerischen Selbstverständnisses", so Stocker. Postmodern geben sich zwei Vorzeigeprojekte: Neben Golan Levins "Dialtones: A Telesymphony", das erste Konzert, das ausschließlich von Handys bestritten wird und für Stocker "nicht nur ein Joke, sondern eine sehr ernsthafte auch musikalisch-kompositorische Auseinandersetzung" mit neuer Technologie ist, gibt es bei "Paintball" am Linzer Hauptplatz eine riesige weiße Leinwand mit der Aufforderung: "If you don't think this is art, call: 0800-123 456". Tippt man diese Nummer ins Handy, schießt eine Art Katapult bunte Farbkugeln auf die Leinwand. "Damit wird die typische Frage 'Was ist denn daran Kunst?', mit der sich die Ars Electronica schon jahrelang herumschlagen muss, provozierend und ironisch an die Bevölkerung herangetragen", so Stocker.

"electrolobby"

Ein Schwerpunkt wird die "electrolobby" im Brucknerhaus sein, ein rund um die Uhr offener Mix aus Showroom und Medienkonferenz. Als ähnlich offenes Forum ist der "Takeover Campus" an der Linzer Kunstuniversität geplant. Sein 15-Jahr-Jubiläum feiert der vom ORF-Landesstudio Oberösterreich ausgeschriebene und mit 100.000 Euro (1,376 Mill. S) dotierte "Prix Ars Electronica 2001", der am 3. 9. verliehen wird. Dieses Jahr werden die Gewinner erstmals erst bei der Verleihung selbst bekanntgegeben, Stocker hofft "auf so manches überraschte Gesicht". Die Netzkategorie des Preises wurde neu definiert und wesentlich erweitert: Es werden sechs Geldpreise (darunter zwei Goldene Nicas) in den Sparten "Net Vision" und "Net Excellence" vergeben.

(APA/red)

Ars Electronica 2001: "Takeover. Wer macht die Kunst von morgen?". 1. bis 6. 9., Im Internet
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