Fondsduell: Henderson gegen Invesco

22. August 2001, 14:01
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Aktienfonds im Vergleich: Trotz scheinbar gleicher Startbedingungen verblüfft das Ergebnis

Europäische Aktien stellen für viele Anleger ein Kerninvestment dar. Ohne Berücksichtigung von Großbritannien reduziert sich die Anlage dann auf Kontinentaleuropa, der definierten Anlageregion der Aktienfonds Henderson HF European und Invesco GT Continental Europe.

Nur selten lassen sich im Fondsvergleich die Parallelen aufzählen wie bei den beiden Produkten der renommierten britischen Fondsgesellschaften Henderson und Invesco. Neben dem identischen Auflagejahr 1984 und einer gleichen Anlagestrategie verbindet beide Fonds die nahezu zeitgleiche Zuständigkeit der Fondsmanager John Botham (Henderson) und Allister Hibbert (Invesco). Ein Grund mehr für die Auswahl zum Fondsduell.

Gleiche Strategien

Beide Fonds verfolgen mit einer Anlage in wachstumsstarke Europaaktien den Growth-Ansatz. Die Titelselektion wird auf der Basis eines Bottom-Up-Ansatzes umgesetzt.

Bei Invesco erfolgt die Einzeltitelselektion in einem mehrstufigen Auswahlverfahren. Zunächst wird das Universum der Unternehmen in drei verschiedene Sektoren "zerlegt", denen dann die entsprechenden Firmen zugeordnet werden. Anschließend werden diese mit unterschiedlichen Bewertungsmethoden gerankt. Es folgt eine fundamentale Analyse des Top-Quartils und die abschließende Investitionsentscheidung.

Während sich Invesco auf den klassischen Ansatz verlässt, geht man bei Henderson einen anderen Weg. Hier wird der Team-Ansatz groß geschrieben. Investmentideen werden innerhalb des Fondsteams geboren und vom Manager koordiniert. Wird eine Idee für gut befunden erfolgt eine detaillierte Analyse, ob hier eine signifikante Unterbewertung gegenüber dem "fair value" vorliegt. Der Auswahlprozess wird durch ein 23-köpfiges "Research and Strategy Team" unterstützt, das für das Makroresearch zuständig ist. Zudem ist bei Henderson jeder Fondsmanager für einen bestimmten Sektor voll verantwortlich. Durch diesen Ansatz wird das Portfoliomanagement mit den Researchverantwortlichkeiten eng verzahnt, was Wertpapierauswahl und Timing optimiert.

Kontrolle ist notwendig

Sind die Investitionsentscheidungen getroffen und umgesetzt, muss die Entwicklung des Portfolios natürlich überwacht werden.

Manager John Botham greift auf ein hausintern entwickeltes System der Risikokontrolle zurück, mit dem er in Echtzeit auf die jeweilige Allokation und das Risikoprofil zugreifen und entsprechend steuern kann. Eine zusätzliche Stufe zur Überwachung der Anlagerichtlinien wurde in dieses System eingebaut, um Fehler in diesem Bereich von vornherein auszuschließen. Kontrollen, die in den Zeiten der globalen Kurseinbrüche unabdingbar sind.

Invesco nutzt ein ähnliches System des Risk Monitoring, das sowohl einen Echtzeitzugriff, als auch eine Auswertung anhand von monatlichen Berichten zulässt, die eine übergeordnete Abteilung erstellt.

... alles auf eine Karte gesetzt

Die Performancedaten der letzten drei Jahre liefern ein Ergebnis, das unterschiedlicher nicht sein könnte. Über den Gesamtzeitraum konnte der Henderson ein beachtliches Plus von 15,73 % erwirtschaften, während der Invesco unter großen Schwankungen gerade die Wertentwicklung des Vergleichsindex MSCI Europe ex UK erreichen konnte. Betrachtet man den Verlauf, zeigt sich bei Henderson eine hohe Performancekontinuität. In der Haussephase der Technologiewerte in 1999 erzielten beide Fonds zunächst sehr starke Zuwächse. Diese konnte sich Henderson-Manager John Botham trotz der ersten heftigen Marktkorrekturen im Frühjahr 2000 sichern, der Invesco Continental Europe wurde dagegen überproportional negativ getroffen. Der Preis einer starken Übergewichtung in überteuerten Wachstumswerten des Technologiesektors führte bis heute zu einer starken Underperformance. So mussten im Jahresvergleich Verluste von über 30% verkraftet werden. Dagegen konnte der Henderson HF European das Minus auf rund 20% begrenzen und lag damit knapp unter dem MSCI Europe ex UK.

Henderson als einsamer Sieger

In Summe bedeutet dies eine in positiven Marktphasen überdurchschnittliche Entwicklung des Henderson. Die heftigen Markteinbrüche konnten durch die Anpassung der Anlagestrategie an die veränderten Marktbedingungen deutlich abgefedert werden. So wurde rechtzeitig die Überbewertung im Technologiesektor erkannt und in entsprechend defensivere Werte wie z.B. Pharma umgeschichtet.

Dieser Favoritenwechsel ist dem Invesco dagegen nicht gelungen. Der TMT-Bereich ist vielmehr auch auf der aktuellen Basis übergewichtig im Portfolio vertreten.

Die Volatilität liegt zudem um 20% über der des Henderson, was zu deutlich schlechteren Risikokennziffern und damit zu einem ungünstigen Chance/Risiko-Verhältnis führt. Hierdurch wird der Unterschied in der Managerqualität deutlich, besonders wenn man sich vor Augen hält, dass der Zeitpunkt für die Übernahme der Verantwortung der Fonds für beide Manager nahezu identisch war und somit gleiche Startbedingungen herrschten. Der Henderson HF European konnte sich dem von extremen Ausschlägen geprägten Marktumfeld jedoch wesentlich besser anpassen als der Invesco GT Continental Europe.

Investitionen in europäische Blue Chips zählen zu den klassischen Basisinvestments einer Fondsanlage. Grund genug für e-fundresearch, die beiden auf kontinentaleuropäische Aktien fokussierten Aktienfonds Henderson HF European und Invesco GT Continental Europe gegeneinander ins Rennen zu schicken. Trotz der scheinbar gleichen Startbedingungen verblüfft doch das Ergebnis.

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