Sicherheit geht jeden an

21. August 2001, 13:03
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Nach den Virenattacken der vergangenen Wochen ist es klar: Die Killerprogramme stellen eine Gefahr für alle dar

Wer seine Wohnung verlässt, schließt die Fenster, sperrt die Tür zu. Steigt jemand ins Auto, braucht er dafür einen Schlüssel. Wenn die Ampel rot ist, sollte man besser stehen bleiben. Zur eigenen Sicherheit.

"Jeder Mensch lernt von Kindheit an, diese Regeln zu befolgen, damit umzugehen, sich in einer Welt voll von Regeln zu bewegen. Da in der virtuellen Welt heute schon annähernd dasselbe möglich ist wie in der realen, gilt es auch dort Regeln zu beachten." Josef Pichlmayer, kaufmännischer Leiter von Ikarus, dem einzigen österreichischen Virenschutzsoftware-Hersteller, weiß, wovon er spricht. Darum ist es auch im World Wide Web genauso wie im täglichen Leben: Es herrscht enormer Wettbewerb.

"Sobald jemand anfängt, sich gegen Bedrohung zu schützen, wird es Leute geben, die versuchen werden, diese Schutzmaßnahmen mit noch besserer Technologie abermals zu unterlaufen", so Pichlmayer. Dass die "Bösen" im Internet immer größere Erfolge verbuchen - sprich: den größeren Schaden anrichten -, sei eben eine ganz logische Folge des beinharten Konkurrenzkampfes: "Im Prinzip sind diejenigen, die Lösungen für Infrastruktur und Applikationen anbieten, einem solchen Wettbewerb ausgesetzt, dass sie eigentlich gar nicht lang und breit darüber nachdenken können, diese Dinge so sicher aufzubauen, dass damit kein Missbrauch getrieben werden kann."

Aber das Rad dreht sich unaufhaltsam weiter. Immer mehr Menschen drängen ins Internet. Dadurch entsteht ein immer dichteres Netz an Information. Pichlmayer im Klartext: "Wenn jemand etwas Böses anstellen will, kann er mithilfe des Internets relativ leicht recherchieren, wie er sein Vorhaben in die Tat umsetzen kann."

Deshalb wollen sich besonders große Firmen, die schon einen Gutteil ihres Umsatzes im Internet machen - Stichwort E-Business -, vor ungebetenen Eindringlingen wie Viren oder Würmern schützen. Das betriebsinterne Computernetzwerk wird zum Tresor - nur wer eine Zutrittsberechtigung hat, kommt auch tatsächlich rein.

Virenschutzexperte Pichl- mayer wünscht sich aber Sicherheit auf allen virtuellen Ebenen: "Wenn man jetzt die Sicherheit nur auf das Spezifikum E-Business beschränkt, dann lässt man wesentliche Bereiche, die zum Verständnis der Gesamtproblematik einfach notwendig sind, außer Acht."

Denn E-Business von der gesamten E-Volution - also dem allgemeinen Internettrend und dessen Weiterentwicklung - zu isolieren, würde laut Pichlmayer relativ wenig Sinn machen. Der Denkansatz erscheint logisch - denn mal ehrlich: Wer immer sich um eine eigene Website bemüht, ist auch bestrebt, etwas zu verkaufen. Und sei es nur die eigene Person. Die Problematik der Virenschutzanbieter besteht darin, darzulegen, wie die Sicherheit des Arbeitsprozesses eines Unternehmens aussieht, das den Schritt ins Web wagt.

Pichlmayer geht ins Detail: "Da gibt es einerseits die Kernkompetenzen des Betriebs und dann die ganzen Zusatzabläufe wie Buchhaltung, Marketing, Lohnverrechnung, Einkauf, Verkauf - wenn das nicht von vornherein klaglos funktioniert, dann werden die Probleme mit dem Gang ins Internet nicht gelöst, sondern multipliziert."

Österreich liegt vorne

In Österreich hätte man das schon kapiert, sagt der Ikarus-Geschäftsführer: "Beim Thema Sicherheit gehören wir sicherlich zum vordersten Drittel in der Welt. Die Leute, die sich damit befassen, wissen genau, worum es geht. Die leiden unter einem ganz anderen Phänomen: Die Kaufkraft der Unternehmen ist noch sehr beschränkt. Nur weil der Administrator weiß, welche Szenarien ihn bedrohen, heißt das noch lange nicht, dass er dagegen vorgehen kann."

Dennoch bleiben hierzulande die Sicherheitsmaßnahmen für die Präsenz im Internet oft aus Geldmangel auf der Strecke. "Aber das ist ein Lernprozess", bleibt Pichlmayer geduldig, "das wird schon noch." (trö, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21. 8. 2001)

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