"Silent Commerce": Alter Hut als Deckel für Portale

27. August 2001, 23:03
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Im "Silent Commerce" spielt der Mensch nur noch eine Nebenrolle

"Das Internet ist ein alter Hut, der zur Alltagsinfrastruktur gehört", sagt Ralf Runau, Partner und Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Accenture International. Die Euphorie, die durch das Internet bis Anfang 2000 geschürt wurde und in unzähligen Pleiten bei den so genannten Dotcom-Firmen geendet hat, sei zwar verpufft. Die Ideen der "jungen, dynamischen Köpfe", die aus der Dotcom-Industrie stammen, mangels geeigneter Geschäftsgrundlage aber scheiterten, leben weiter. Portale und elektronische Marktplätze, ist Runau überzeugt, sind markante Ausprägungen aus der Start-up-Epoche im Internet.

Auf dem Fundament von Geschäftsmodellen, die nicht nur auf Erwartungen, sondern auf Umsatz, Gewinn und Rendite setzen, können sich diese virtuellen Plätze zu ertragsfähigen Drehscheiben für Angebot und Nachfragen etablieren.

"Unternehmensportale wer- den zur zentralen Schnittstelle für die Kommunikation, der Steuerung von Firmen sowie der Bereitstellung von Information zwischen Hersteller und Kunden", ist Runau überzeugt.

Neben dem Abruf von Informationen steht die Onlineabwicklung von Geschäften künftig im Vordergrund. Vernetzt mit Internetmarktplätzen ergeben sich für Firmen dadurch neue Chancen wie bei der Beschaffung und dem Verkauf von Waren und Dienstleistungen. In den kommenden zwei Jahren werde die Zahl der Online-Marktplätze wachsen, prognostiziert Runau. Industrieunternehmen (wie Banken und Versicherungen) sowie Handelsunternehmen würden derzeit Aufstellung im Internet nehmen, um neben der Visitenkarte auch Geschäfte via Web durchzuführen. Ab dem Jahr 2003 werde die Zahl dieser virtuellen Marktplätze aber wieder abnehmen.

"Zehn Marktplätze pro Branche macht keinen Sinn", so Runau. Den Abstiegskampf werden jene Marktplatzbetreiber überstehen, die frühzeitig E-Commerce entwickeln, die technische Vernetzung der Teilnehmer am Marktplatz schaffen sowie mit einem aktuellen Infoangebot die virtuelle Drehscheibe zur Marke machen.

Die Vernetzung führt im Optimalfall zum "Silent Commerce", so Runau. Durch die Order per Mausklick könnten mehrere Geschäftsprozesse elektronisch ausgelöst werden. Menschen spielen dabei nur eine Nebenrolle, vom Auftrag bis zur Versendung der Ware werden die Geschäftsprozesse durch eine virtuelle Kettenreaktion "lautlos" via Internet ausgelöst. DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21. 8. 2001)

Vom Thomas Jäkle
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