Marktplätze für horizontales und vertikales Gewerbe

21. August 2001, 12:49
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Wichtig ist vor allem, dass die Logistik dahinter funktioniert

Der Satz "Es ist alles so kompliziert" stammt zwar nicht von einem Internetexperten, doch diese dürften ihn bisweilen hie und da ausleihen. Denn wenn es nach Werner Clement, Leiter des Industriewissenschaftlichen Instituts (IWI) in Wien, geht, kristallisiert sich selbst in den oberen Kompetenzetagen nur mühsam heraus, worin der Unterschied von "Business to Business" (B2B), einem Portal - und einem "elektronischen Marktplatz" liegt.

Clement ist sich da schon etwas sicherer: "Auf einem elektronischen Marktplatz können tatsächlich Transaktionen mit Rechtssicherheit und Finanzierungssicherheit abgeschlossen werden." Das wäre bei den beiden anderen virtuellen Konkurrenten nicht möglich. "Einfach ausgedrückt: Es findet Geschäft statt", bringt es der Leiter des IWI auf den Punkt. Diese neue Form des weltweit webbenden Handelszentrums würde sich, so Clement, derzeit sehr dynamisch weiterentwickeln. Gleichzeitig sorgt der rasche Fortschritt dafür, dass die meisten Risiken, die in der Internetökonomie aufgetreten sind, reduziert werden.

Elektronische Marktplätze werden in zwei Bereiche unterteilt - den, wo alle Waren, die angeboten werden, gekauft und verkauft werden können.

"Viel spannender ist jedoch der Bereich, der sich auf verschiedene Produktsegmente und Branchen spezialisiert", so Clement. Beispiele in der Praxis gibt es bereits einige - elektronische Marktplätze in der Chemie, für Stahl und Kunststoff und für die Autoindustrie sind die größten.

Der bedeutendste und auch wohl bekannteste elektronische Marktplatz in Europa ist der "Covisint", eine riesige virtuelle Einkaufsplattform der Autoindustrie. Clement zeigt sich von den Vorteilen beeindruckt: "Es gibt ein hohes Maß an Standardisierung, eine große Preistransparenz - und die Automobilfirmen können über Covisint ein ganzes Netz an Zulieferern einbinden."

Elektronische Marktplätze sind jedenfalls im Kommen. Weltweit. Auch in Österreich. "Wir sind da ziemlich vorne mit dabei", bestätigt Clement. Dennoch findet der Leiter des Industriewissenschaftlichen Instituts auch mahnende Worte: "Ich glaube, dass es noch einen großen Ausleseprozess geben wird."

Schätzungen zufolge gibt es derzeit deutlich über 1000 elektronische Marktplätze: "Nach der Marktbereinigung sollten etwa 200 übrig bleiben", schätzt Clement und ergänzt: "Viele wittern natürlich jetzt gutes Geschäft und probieren es einfach mal. Unterschätzen dabei jedoch den Aufwand. So ein elektronischer Marktplatz benötigt permanente Updates."

Also wieder nur lukrativ für die "Big Player"? "Nicht unbedingt", sagt Werner Clement, "im Gegenteil: Ein so genannter Kleiner kann durchaus die Chance nützen, um neue Kunden zu akquirieren."

IWI-Leiter Werner Clement hat noch weitere Tipps auf Lager: "Ganz wichtig dabei ist, dass die Logistik funktioniert. Wenn ja, reden wir von Einsparungen von fünf bis zehn Prozent. Das zeigt, dass über den elektronischen Marktplatz - integriert mit Logistik - große Kostenvorteile möglich sind." (trö, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21. 8. 2001)

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