"Vorbildlich, aber integrierter E-Ansatz fehlt"

21. August 2001, 13:00
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Vergleich der E-Government-Strategien in vier Ländern Europas

Wien - "In Österreich fehlt das Programmmanagement für eine umfassende und integrierte E-Initiative." Rupert Schmutzer vom Consultingunternehmen KPMG ortet in der Ausgangssituation für E-Government in Österreich einige Defizite. Ein von KPMG durchgeführter Vergleich der E-Government-Strategien in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Großbritannien zeige, dass einzelne Anwendungen wie der virtuelle Amtshelfer www.help.gv.at oder der "Elektronische Rechtsverkehr" hierzulande zwar internationalen Vorbildcharakter hätten - ein integrierter Ansatz, wie es ihn beispielsweise beim E-Musterschüler Großbritannien gebe, fehle aber nach wie vor.

Bei den E-Aktivitäten Österreichs stehe eindeutig die Orientierung am so genannten E-Europe-Maßnahmenkatalog der EU im Vordergrund. Dieser sieht unter anderem einen billigeren und schnelleren Internetzugang für alle Bürger der Union vor.

In Österreich werde seit 1997 über E-Business, E-Government und ähnliche Themen diskutiert. Auslöser dafür war der Bericht einer Arbeitsgruppe der Bundesregierung zur Informationsgesellschaft. Diesem Bericht folgten Ministerratsbeschlüsse über "E-Government", "E-Austria in E-Europe" sowie über den "Virtuellen Marktplatz Austria". Im Jänner dieses Jahres formulierte das Wirtschaftsministerium 35 Maßnahmen zum Thema "E-Business in a New Economy". Im Juni schließlich folgte ein Ministerratsbeschluss über die Einrichtung eines so genannten "IKT-(Informations-und Kommunikationstechnologie)-Boards", das die IT-Strategie des Bundes neu strukturieren sollte.

Das Problem in Österreich bestehe darin, dass verschiedene Initiativen auf politischer Ebene nebeneinander laufen würden, sagt Schmutzer. So gebe es den "E-Austria-Aktionsplan" des Bundeskanzleramtes ebenso wie eine "E-Austria-Taskforce" im Ministerium für öffentliche Leistung und Sport von Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer. Dazu kämen die Initiativen "E-Business in a New Economy" des Wirtschaftsministeriums und "E-Learning" des Bildungsministeriums.

Solchen Parallelentwicklungen und Abstimmungsproblemen beim Einsatz von Informationstechnologien in unterschiedlichen Verwaltungsbereichen müsse man durch eine verstärkte Koordination entgegenwirken, sagt der KPMG-Experte. Einigende Klammer müsse hier die Bundesregierung sein. Die Installierung eines so genannten "E-Government-Beauftragten" im Rahmen des IKT-Boards - also eines Koordinationsorgans für die E-Government-Strategie - bewertet Schmutzer als "vernünftigen Ansatz". Dieser Schritt gebe "Anlass zur berechtigten Hoffnung, dass die Abstimmung dadurch besser funktionieren wird".

Das IKT-Board koordiniere aber nur eine von mehreren Säulen einer umfassenden E-Initiative. Ein übergeordnetes Programmmanagement müsste auch die anderen thematischen Säulen integrieren (siehe Grafik). Das seien neben dem Thema E-Business vor allem Fragen des Zugangs und der Qualifizierung. "Außerdem sollte die Innovationsförderung im Bereich der neuen Technologien ein wesentlicher Bestandteil einer österreichischen E-Strategie sein", sagt Schmutzer. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21. 8. 2001)

Ein von KPMG durchgeführter Vergleich der E-Government-Strategien in vier Ländern Europas zeigt, dass in Österreich zu viele derartige politische Initiativen nebeneinander laufen. Trotzdem haben einige Anwendungen wie der virtuelle Amtshelfer inter- nationalen Vorbildcharakter.

Von Robert Zwickelsdorfer
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