Beethoven-Festspiele mit Alfred Brendel

21. August 2001, 11:46
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Triumphaler Auftakt zur Aufführungsreihe aller fünf Klavierkonzerte mit Simon Rattle und den Wiener Philharmonikern

Salzburg - Alle fünf Klavierkonzerte Beethovens spielt Alfred Brendel heuer bei den Salzburger Festspielen, gemeinsam mit Sir Simon Rattle und den Wiener Philharmonikern. Wenn die Herren so weiter machen wie sie Montag Abend im Großen Festspielhaus mit dem Ersten und Vierten Klavierkonzert begonnen haben, dann werden aus den Salzburger noch Beethoven-Festspiele. Standing Ovations für Brendel, der heuer gleichsam als "Pianist zu Gast" in Salzburg auftritt.

Dass Brendel siebzig Jahre alt sein soll, mag man fast nicht glauben, spielt er doch mit einer derartigen jugendlichen Fingerfertigkeit und Leichtigkeit. Jedoch, bei genauerem Hinhören entdeckt man, dass die so locker wirkenden Phrasierungen und Konturierungen Ausdruck der Erfahrungen von Jahrzehnten sind. Deren Einsatz gestern: ideenreich, locker und unverkrampft. Rattle "spielte" mit im neckischen Frage- und Antwortspiel des Allegro Scherzando im Ersten Klavierkonzert, wo sich die beiden Künstler gleichsam Fragen zuwarfen ("So, jetzt komm ich, und was sagst du dazu?").

Reizvoller Kontrast

Das ansonsten eher als Konzertsaal-Hit wiedergegebene Stück erschien in veränderter Gestalt, eben alles andere als nach Hit klingend. Wie sollte es auch, bei dem zurückhaltenden, unaufdringlichen Gestus Brendels, dem die Wiener philharmonischen Herren - nein, endlich mit zumindest einer Frau in den Reihen - unter Rattles Federführung Gefolgschaft leisteten. Eine Demonstration gleichwertiger Partnerschaft dann im "Vierten": Ein inniges, fast trauriges gemeinschaftliches Innehalten im Andante con Moto, um die Musik dann im Schlusssatz umso freudiger glänzen und strahlen zu lassen.

Schönbergs Fünf Orchesterstücke op. 16 entpuppten sich in der Programm-Positionierung zwischen den Beethoven-Konzerten als reizvoller Kontrast, einer ganz anderen Klangwelt entstammend. Von den Stühlen riss es das Publikum aber erst am Ende des Abends. Tosender Applaus brandete dem Pianisten entgegen, und auch der Dirigent durfte sich ein gehöriges Scheibchen des großen Erfolges abschneiden. (APA)

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