75 antisyrische Aktivisten im Libanon freigelassen

21. August 2001, 11:21
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Nach Intervention des Papstes und Frankreichs

Beirut - Die libanesischen Behörden haben 75 Personen, unter ihnen einen pensionierten General, freigelassen, die seit Anfang des Monats auf Veranlassung des militärischen Geheimdienstes wegen antisyrischer Agitation festgenommen worden waren. Wie aus Beiruter Justizkreisen verlautete, sind noch 17 Mitglieder der verbotenen rechtsgerichteten Christenpartei "Forces libanaises" (FL) inhaftiert.

Für die Freigelassenen, unter ihnen Ex-General Nadim Latif und zwei prominente Journalisten, musste eine Kaution in Höhe von umgerechnet rund 30.000 Schilling erlegt werden. Sie wurden der "Schädigung der Beziehungen zu einem Bruderland" (Syrien) und der "Verunglimpfung des Staatsoberhauptes" (Präsident Emile Lahoud) beschuldigt. Nach Presseberichten waren in der ersten August-Woche bis zu 250 militante Syrien-feindliche Christen, Anhänger des in Frankreich exilierten Ex-Armeechefs General Michel Aoun, festgenommen worden.

Alle pro- und antisyrischen Kundgebungen verboten

Papst Johannes Paul II. hatte am Sonntag seine große Besorgnis über die Verhaftungswelle geäußert. Zuvor hatte auch die französische Regierung protestiert. Die libanesische Regierung hatte im April alle pro- und anti-syrischen Kundgebungen verboten. Durch diese Maßnahme solle allen Gefahren einer Wiederbelebung von politischen und konfessionellen Gegensätzen ein Riegel vorgeschoben werden, erklärte das Innenministerium. An einer überkonfessionellen Plattform mit der Bezeichnung "Demokratische Tribüne" hatten sich sowohl rechtsgerichtete christliche Kräfte, wie die Anhänger von General Aoun, als auch linke Parteien wie die Sozialistische Fortschrittspartei (PSP) des Drusenführers Walid Joumblat (Dschumblat) und die Kommunistische Partei beteiligt.

Die Differenzen über die Gestaltung der Beziehungen zu Syrien, das seit dem Bürgerkrieg als Schutzmacht im Libanon militärisch präsent ist, hatten im Parlament in Beirut heftige Debatte ausgelöst. Zwischen Syrien und dem Libanon besteht seit 1991 ein Beistandspakt, der politische Konsultationen in allen wichtigen Fragen vorsieht. Seit dem israelischen Rückzug aus dem Südlibanon im Mai 2000 mehren sich die Stimmen, die auch den Abzug der Syrer verlangen. Syrien hat noch rund 25.000 Soldaten im Libanon stationiert. (APA)

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